Pandemie-Schutzschirm

Extrabudgetäre Verluste sind davon ausgeschlossen!

Die Bundesregierung bereitet aktuell ein „GESETZ ZUR FORTGELTUNG DER DIE EPIDEMISCHE LAGE VON NATIONALER TRAGWEITE BETREFFENDEN REGELUNGEN“ vor.

Vorgesehen ist dabei eine Verlängerung des Schutzschirms für Leistungen der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) gemäß § 87b Abs. 2a SGB V. Das bedeutet, dass den Praxen auch im Jahr 2021 Umsatzverluste, die im Rahmen der Coronavirus-Pandemie entstehen, größtenteils ausgeglichen werden. Diese Sonderregelung für Honorarverluste gilt aber nicht in Bezug auf extrabudgetär vergütete Leistungen (EGV).

Der Gesetzgeber begründet dies damit, dass Verluste auf dieser Ebene dadurch auszugleichen sind, dass auch die Honorarverluste in der EGV über „Einsparungen in der budgetierten Gesamtvergütung ausgeglichen werden könnten“.

Es ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung an dieser These festhalten wird. Es ist deshalb zweckmäßig, in der Praxisorganisation rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, die Verluste auf dieser Ebene verhindern.

Was können Sie zur Absicherung tun?

Da die epidemiologische Lage aktuell es nicht erforderlich macht, honorartechnisch bedeutsame extrabudgetäre Leistungen in der Praxis aufzuschieben oder gar auszulassen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Führen Sie möglichst für alle Patienten die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen (wie Check-up, Hautkrebsscreening, Bauchaortenscreening, Krebsvorsorge) genau nach den Vorgaben für Lebensalter und Abstände durch. Hier empfiehlt sich die Einrichtung eines Recallsystems.

  • Achten Sie genau darauf, bei Ihren Patienten Impflücken zu schließen. Auch Impfungen werden extrabudgetär vergütet. Dazu sollten Sie bei jeder Vorsorgeuntersuchung und bei jeder Wundversorgung den Impfstatus Ihrer Patienten prüfen.

  • Wenn Ihre Praxis mehrere Patienten in einem Alten- oder Pflegeheim betreut, versuchen Sie einen Kooperationsvertrag mit dem Heim zu schließen, damit die (extrabudgetär vergüteten) Leistungen des Kapitels 37 abgerechnet werden können.

  • Übernehmen Sie postoperative Behandlungen nach ambulanten Operationen nur dann, wenn die Patienten mit einem Überweisungsschein vom Operateur in die Praxis kommen.

  • Schicken Sie Patienten nach Schul-, Arbeits- und Wegeunfällen nicht unbesehen weiter zum D-Arzt. Sie dürfen die Erstversorgung wie auch das Ausfüllen des Unfallberichts übernehmen und nach UV-GOÄ abrechnen.

  • Stellen Sie die diversen Bescheinigungen und Atteste für Kindergarten, Sportverein usw. nicht als Gratisleistung aus, sondern berechnen Sie das konsequent als Selbstzahlerleistung.

  • Überlegen Sie im Praxisteam, welche individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) zu Ihrer Praxis und Ihrer Patientenklientel passen, wie z.B. reisemedizinische Beratungen, sportmedizinische Untersuchungen oder auch die Beratung zur Erstellung einer Patientenverfügung.

  • Vergessen Sie nicht die extrabudgetär vergüteten Leistungen aus dem TSVG, wie die Terminbeschaffung bei einem Facharzt oder die Regelung bei neuen Patienten (siehe dazu auch „Abgerechnet“ ab Seite 62 in dieser Ausgabe).

Kommentar von
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmediziin

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