Hausarzt 2021

Nie war er so wertvoll wie heute

Unsere Berufsgruppe hat es wieder einmal auf das Cover eines Boulevardblattes geschafft. Nicht durch Wehklagen über Landärztemangel. Nicht durch martialisches Gedöns beim Pokern um den kassenärztlichen „Systemausstieg“ wie anno 2008.

Nein. Im Würgegriff der Coronaviruspandemie kommen die Forderungen nach „Strategien“ und „Kampfmitteln“ für eine „Mammutaufgabe“ von anderen auf uns zu. Von Politikern und Epidemiologen. Und von Millionen unserer hausärztlich betreuten Patienten. Es geht um die massenhafte Verimpfung des hochbegehrten COVID-19-Vakzins.

Der Allgemeinarzt fühlt sich schon seit Jahrzehnten als „Arzt an der ersten Linie“. Diese realistische Funktionsbezeichnung entstammt dem fachsprachlichen Vokabular des Berufstheoretikers Robert N. Braun. Damals, als in den Gazetten noch gewitzelt wurde über den Praktiker als „Treppenterrier“. Als „schöne Braut“, der jedermann zwar einen Heiratsantrag macht, aber die niemand heiraten will.

Heute strotzt die Allgemeinmedizin vor Selbstbewusstsein. In universitärer Lehre und Forschung. In strukturierter Fort- und Weiterbildung. Im Qualitätsmanagement des Praxisalltags. Rund 55.000 Allgemeinärzte und Hausarztinternisten versorgen täglich über zwei Millionen Patienten. Diese Hausärzte haben Wissen und Routine im Umgang mit dem unausgelesenen Krankengut, dem abwendbar gefährlichen Verlauf, der Langzeitbetreuung. Vor allem aber kennen sie ihre Patienten mit ihren Familien und die Dringlichkeit ihrer Beratungsprobleme.

Diese Hausärzteschaft steht bereit für die größte Impfkampagne aller Zeiten. Wenn man sie nur endlich lässt! Und genügend Impfstoff in der Pipeline hat. Aber auch den Papierkram flach hält. Sie scharrt mit den Hufen. Sie will der Gesellschaft, dem Land, der Gemeinde etwas zurückgeben im Sinne einer Community-based Medicine.

„Nie war er so wertvoll wie heute.“ Was 1925 ein Werbeslogan für Melissengeist war, stimmt gerade in diesen Tagen. Oder etwas schlichter formulierte es der Landarzt Dr. August Heisler 1950: „Aus dem Arzt als Fürsorgendem muss in erster Linie ein Vorsorgender, aus dem Hüter ein Verhüter werden; Prophylaxe ist die Parole der Gegenwartstherapie.“

Und Impfen ist nun mal eine unserer Kernkompetenzen. Bis heute. Also: Schalten Sie in Ihrer Praxis den Impfturbo an und dann „Arm frei“, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das gilt auch für Sie selber!

Autor:
Prof. Dr. med.Frank H. Mader
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Gründer und Herausgeber
von „Der Allgemeinarzt“

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