Was muss ich beachten?

Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt

Kaum ist man nach einem langen, aufwändigen Studium und auch schweren Prüfungen endlich Ärztin bzw. Arzt, geht es schon mit der Planung der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin weiter. Dabei gibt es viele Aspekte, die man beachten muss, damit es nicht zum bösen Erwachen kommt, wenn man sich zur Prüfung anmeldet. Im Folgenden lesen Sie einen umfassenden Überblick dazu.

Endlich Arzt

Nach Abschluss des Medizinstudiums hält man endlich das heiß ersehnte Zeugnis in den Händen, doch dies berechtigt noch nicht zum ärztlichen Arbeiten. Dafür braucht es noch die Approbation, also die Berechtigung, den Arztberuf tatsächlich ausüben zu dürfen. Diese sollte rasch beantragt werden, um überhaupt eine Weiterbildung beginnen zu können.

Anmeldung bei der Ärztekammer

Doch mit der Approbation ist es noch nicht getan. Es braucht auch noch eine Anmeldung bei der Ärztekammer. Diese erfolgt über den jeweiligen ärztlichen Kreisverband, der für den Wohnort des Antragstellers zuständig ist. Dieser gibt die Daten weiter, die Registrierung ist somit erfolgt und es kann mit der Weiterbildung zum Facharzt losgehen.

Weiterbildung „alt“ und „neu“

2020 wurde die grundlegend geänderte Weiterbildungsordnung (WBO) in den einzelnen Bundesländern umgesetzt und so ist es wichtig, dass sich der Kandidat genau bewusst macht, nach welcher WBO weitergebildet werden soll. Für Neueinsteiger gibt es keine Auswahlmöglichkeit, denn die Weiterbildung muss immer nach der neuen WBO durchgeführt werden. Ärzte und Ärztinnen in Weiterbildung (ÄiW), die schon länger in der Weiterbildung sind, können weiter nach der alten Ordnung fortfahren, ein Wechsel zur neuen ist jedoch möglich. Diese Situation wird es sicher öfter geben, denn viele angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin machen ihre Weiterbildung in Teilzeit. Bei der Wahl ist dann genau auf die einzelnen Vorgaben zu achten (siehe unten). Die größten Unterschiede bestehen in der Fächerwahl sowie den vorgeschriebenen Untersuchungsnachweisen.

Weiterbildungsbefugnis des Weiterbildners beachten

Hat man sich für eine Weiterbildungsstelle entschieden, so ist unbedingt darauf zu achten, welchen Umfang die Befugnis des Weiterbildners hat. Hier spielen Zeit (z.B. bei FÄ für Allgemeinmedizin maximal zwei Jahre) und Umfang des Leistungsportfolios (z.B. Sonografie Abdomen Schilddrüse) eine Rolle. Außerdem ist darauf zu achten, ob der Weiterbildner die Befugnis nach der alten und/oder neuen Weiterbildungsordnung hat. Fehlt die Befugnis nach der neuen Ordnung, sollte diese rasch beantragt werden, denn das Genehmigungsverfahren nimmt einige Zeit (ca. zwei Monate) in Anspruch.

Regionale Unterschiede

Nicht in jedem Bundesland ist das Weiterbildungscurriculum gleich. Deshalb muss bei einem Umzug in ein anderes Bundesland unbedingt darauf geachtet werden, welche Inhalte die WBO dort hat. Sonst kann es beim Antrag zur Prüfung zu einem bösen Erwachen kommen. Größtes Hindernis könnte sein, dass eine Weiterbildung bei einem hausärztlichen Internisten nicht anerkannt wird. Man sollte sich daher immer genau über die gültigen Vorgaben informieren. Notfalls sollten ÄiW auch von einem Umzug absehen, bis die Weiterbildung beendet ist.

Weiterbildungscurriculum

Die wichtigsten Neuerungen in der WBO sind die Reduktion der Weiterbildung in der Inneren Medizin stationär auf ein Jahr und die Hinzunahme eines weiteren Fachs, das zwingend mindestens sechs Monate vorgeschrieben ist. Hier stellt sich dann die Frage, welches Fach am besten gewählt werden soll. Eine Orientierung an der Fälleverteilung in allgemeinmedizinischen Praxen ist hier sehr hilfreich und dementsprechend ist die Wahl eines Fachs sinnvoll, in dem bestimmte Beratungsursachen häufig sind. Orthopädie, Neurologie, Dermatologie oder Pädiatrie (gerade, wenn man sich im ländlichen Bereich niederlassen will) sind Fächer, die in die engere Wahl kommen sollten. Nachdem nun nur noch ein Jahr Innere Medizin zwingend vorgeschrieben ist, drängt sich auch die Frage auf, wie lange man dort bleiben soll. Eine breitgefächerte Weiterbildung mit verschiedenen Disziplinen steht hier der ausgedehnteren internistischen Basisweiterbildung gegenüber. Ein Jahr Innere ist sehr kurz, zwei Jahre reichen hingegen sicherlich aus und man sollte hier bevorzugt kleinere Häuser mit einem breiten Spektrum wählen, denn diese Umgebung bildet die Situation bei der späteren Arbeit eher ab.

Psychosomatische Grundversorgung nicht vergessen

Zusätzlich vorgeschrieben ist in der WBO ein 80-stündiger Kurs in psychosomatischer Grundversorgung. Rechtzeitig sollten sich ÄiW um die Teilnahme an den Kursen und der Balintgruppenarbeit kümmern. Nur Kurse bei zugelassenen Kursleitern werden dabei anerkannt, für die Balintgruppenarbeit sind mindestens sechs Monate, maximal 18 Monate als zeitlicher Rahmen vorgegeben.

Weiterbildungsverbünde als optimale Weiterbildungsmöglichkeit

Um eine breitgefächerte Weiterbildung auch noch ideal strukturiert durchlaufen zu können, bietet sich als optimale Lösung ein Weiterbildungsverbund an. Dort ist eine auf die gesamte Weiterbildungszeit abgestimmte Weiterbildung möglich, die neben vorgeschriebener Innerer Medizin und Allgemeinmedizin in der Praxis über zwei Jahre und einem weiteren Fach oftmals auch noch ein zusätzliches wie Chirurgie oder Neurologie vorsieht. Mehrfache Stellensuche und Verhandlungen bleiben den ÄiW dann erspart und in vielen Verbünden wird zudem ein qualifiziertes Fortbildungsprogramm angeboten. Meist sind die Weiterbildungsverbünde auch eher an Häuser mit breitem und nicht superspezialisiertem Angebot angebunden.

Genehmigung der KV einholen

Werden ÄiW in einer Praxis zur Weiterbildung angestellt, so muss der Weiterbildner eine Genehmigung bei der zuständigen KV beantragen. Auch wenn das Aufgabe der Weiterbildungspraxis ist, sollte im Rahmen der Bewerbung angefragt werden, ob dies auch geschehen ist, andernfalls kann Ärger seitens der KV drohen.

Unterstützung durch Ärztekammern sichern

Viele Ärztekammern bieten mit ihren Koordinierungsstellen Allgemeinmedizin (KoStA) Informationsangebote für ÄiW und tragen dazu bei, flächendeckend Weiterbildungsverbünde zu etablieren. Interessenten für eine Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin sollten sich in jedem Fall an die Koordinierungsstelle wenden und dort beraten lassen, um wichtige Tipps und Impulse einzuholen. Erste Informationen finden Interessierte auf den jeweiligen Internetauftritten.

Seminartage an Kompetenzzentren nutzen

Ein Zugewinn in der Weiterbildung sind die Seminartage, die über Kompetenzzentren in Verbindung mit den Koordinierungsstellen angeboten werden. Diese sollten auf jeden Fall besucht werden, erfahrene Weiterbildner geben hier ihre Kenntnisse und vor allem Erfahrungen weiter. Dazu muss man sich aber i.d.R. in seinem zuständigen Kompetenzzentrum einschreiben.

Vernetzung mit Kollegen suchen

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben und auch nichts Aktuelles zu versäumen, sollte man sich unbedingt bestmöglich vernetzen. Dazu bietet sich die Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) an, die regelmäßig regionale Treffen anbietet (www.jungeallgemeinmedizin.de). Dort gibt es wertvolle Informationen und auch der gegenseitige Austausch ist dort möglich – gerade in Phasen, in denen es nicht optimal läuft, sind gute Gespräche unter Gleichgesinnten wertvoll! Auch den Kontakt zu regionalen Qualitätszirkeln zu suchen ist empfehlenswert, da dort Anschluss an die bereits niedergelassenen Kollegen möglich ist. Vielleicht tut sich dort auch eine Möglichkeit für die Zeit nach der Weiterbildung zu Anstellung, Praxiseinstieg oder -übernahme auf.

Antrag zur Prüfung stellen

Neigt sich die Weiterbildungszeit dem Ende zu, sollte man sich rechtzeitig um die Anmeldung zur Facharztprüfung kümmern. Hierzu ist ein Antrag nötig und es müssen alle Nachweise über die Weiterbildung beigebracht werden. Dazu gehören die Bestätigungen aus den absolvierten Weiterbildungsabschnitten (WICHTIG: Bestätigung über den Arbeitsumfang und die Eignung zum FA für Allgemeinmedizin) sowie die Logbuchbestätigungen über erbrachte Untersuchungen und Weiterbildungsinhalte. Ein zeitnaher Termin sollte angestrebt werden, so dass kein „Vakuum“ entsteht, in dem das Gelernte vergessen wird. Ganz wichtig ist, dass die Zeugnisse und Bestätigungen immer schnell eingeholt werden, denn diese erst später einzuholen kann andernfalls nervenaufreibend werden.

Vorbereitung zur Prüfung

Mit einer guten Weiterbildung, gerade in einem gut strukturierten Weiterbildungsverbund mit Fortbildungsprogramm und Seminartagen, muss man vor der Facharztprüfung keine Angst haben. Dennoch macht ein wenig Prüfungsvorbereitung Sinn, um auch noch mehr eigene Sicherheit zu gewinnen. Hier gibt es an vielen Orten Prüfungsvorbereitungskurse (z.T. auch mit Simulationen der Prüfungssituation) und es bieten sich auch Lerngruppen an, zu deren Organisation man die oben beschriebene Vernetzung mit den Kollegen nutzen kann.

Bücher zur Vorbereitung gibt es einige. Allgemein zu empfehlen ist der „Prüfungsguide Allgemeinmedizin“ von Manfred Lohnstein. Außerdem empfehlenswert sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Reinhold Kleins „100 Fälle Allgemeinmedizin“, Michael M. Kochens „Allgemeinmedizin und Familienmedizin“, „Basiswissen Allgemeinmedizin“ von Bernhard Riedl und Wolfgang Peter, „Allgemeinmedizin“ von Hans-Dieter Klimm und Frank Peters-Klimm, „Facharztprüfung Allgemeinmedizin“ von Detmar Jobst oder auch „Allgemeinmedizin und Praxis“ von Frank H. Mader und Bernhard Riedl.

Tipps von Kollegen sind hier ebenfalls hilfreich. WICHTIG: Bei der Vorbereitung zur Prüfung immer an der Fälleverteilung orientieren!

Die Facharztprüfung

Die Prüfung, bezeichnet als kollegiales Fachgespräch, läuft in aller Regel sehr fair ab. Gut weitergebildete ÄiW sollten mit der Prüfung keine Probleme haben. Fast alle Prüfer gehen verständnisvoll vor und haben sicherlich ihre eigene Prüfung noch in Erinnerung. Sogenannte „Kolibris“ werden fast nie abgefragt und so sollten ÄiW mit mindestens fünfjähriger Erfahrung auch das allermeiste gut beantworten können. Man darf übrigens auch einmal sagen, wenn man ein Krankheitsbild noch nie in der eigenen Tätigkeit gesehen hat, oder auch anmerken, welche Erfahrungen man selbst bei einem Fall gemacht hat. Ein gewisses Maß an Aufregung ist natürlich bei jeder Prüfung vorhanden und das darf man auch zugeben. Wenn sie nicht zu ausgeprägt ist, hilft sie ja auch dabei, fokussiert zu sein.

Die Zeit danach

Nach der Weiterbildung geht es erst richtig los! Endlich ist man Fachärztin bzw. Facharzt für Allgemeinmedizin und die Welt der Versorgung steht einem offen. Anstellung, Teilhaber oder auch der eigene Chef zu sein sind verschiedene Optionen. Gedanken dazu sollte man sich früh genug machen, denn die Zeit ist viel zu schnell da. Zuerst ist aber oft die Zeit der Überbrückung nach der Weiterbildung in der Praxis zu planen. Nicht selten steht die Weiterbildung in der Praxis am Schluss der Weiterbildungszeit und so gilt es, diese sinnvoll zu nutzen und am besten in der Weiterbildungspraxis zu bleiben. Genehmigungen, um dort bleiben zu können, sind frühzeitig einzuholen. Dazu sind auch Gehaltsverhandlungen nötig, denn die Zeit der Förderung läuft mit der zweijährigen Weiterbildung aus.

Fazit: Weiterbildung war noch nie so spannend wie heute!

Wohl nie war es so spannend, die Weiterbildung zur Fachärztin bzw.zum Facharzt für Allgemeinmedizin zu durchlaufen, wie heute. Das Stellenangebot ist reichlich, die Förderungen für die Weiterbildung sind sehr hoch, ein breites Ausbildungsspektrum wird vorgegeben und mit den Weiterbildungsverbünden, die mehr und mehr flächendeckend bestehen, ist auch ein Durchlaufen der Weiterbildung viel einfacher geworden. Auch gibt es viele Modelle, um die Weiterbildung in Teilzeit absolvieren zu können. Nicht zuletzt ist auch die Vernetzung untereinander durch die Koordinierungsstellen, JADE und das vielseitige Angebot an ergänzenden Seminaren viel leichter als früher möglich. Das sind doch beste Bedingungen, um den schönsten aller ärztlichen Berufe zu ergreifen und bestens gerüstet für die eigene Praxis zu sein!

Autor:
Dr. med. Dipl.-Oek. Bernhard Riedl
Facharzt für Allgemeinmedizin
und Gesundheitsökonom,
Wenzenbach

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