1. Juni 2022

TI-Kostenerstattung

Anhebung reicht nicht für den Alltag

Wegen der gestiegenen Preise für die einzelnen TI-Komponenten sowie die damit verbundenen Integrationsmaßnahmen in die Praxisverwaltungssysteme (PVS) hatte die KBV bei den Kassen eine Anhebung der vereinbarten Kostenpauschalen in der Finanzierungsvereinbarung beantragt. Die Kassen haben das abgelehnt, so dass die KBV beim Bundesschiedsamt dagegen klagen musste. Allerdings hat das Gericht nicht alle Forderungen anerkannt. Positiv beschieden hat das Bundesschiedsamt die folgenden Punkte:

  • Die Pauschale für das stationäre Kartenterminal wurde von bisher 595 € auf 677,50 € erhöht.

  • Die Erstausstattungspauschalen werden jeweils um 112,50€ je eingerechnetem stationärem Kartenterminal erhöht und stellen sich nun wie folgt dar:

    - Praxis mit bis zu 3 Ärzten: 1.661,50 € (inklusive einem Kartenterminal)

    - Praxis mit mehr als 3 bis zu 6 Ärzten: 2.309 € (inklusive zwei Kartenterminals)

    - Praxis mit mehr als 6 Ärzten: 2.956,50 € (inklusive drei Kartenterminals)

  • Außerdem werden die folgenden TI-Pauschalen erhöht:

    - NFDM/eMP-Update-Pauschale von 380 auf 530 €

    - NFDM/eMP-Integrationspauschale von 150 auf 400 €

    - KIM/eArztbrief-Einrichtungspauschale von 100 auf 200 €

    - ePA-Integrationspauschale von 150 auf 350 €

  • Die laufenden Betriebskostenpauschalen für die Integration der jeweiligen Fachanwendungen ins PVS wurden neu festgelegt:

    - NFDM-Betriebskostenpauschale von 5,25 € je Quartal

    - eMP-Betriebskostenpauschale von 7,50 € je Quartal

    - ePA-Betriebskostenpauschale von 23,25 € je Quartal

  • Die Finanzierung zusätzlicher Kartenterminals zur Umsetzung der Komfortsignatur erfolgt mit 677,50 € je zusätzlichem Kartenterminal in Abhängigkeit von der Praxisgröße.

Das Schiedsamt hat außerdem eine Finanzierungsregelung für den Austausch von defekten Konnektoren und stationären Kartenterminals getroffen. Diese sieht vor, dass die Krankenkassen pro Jahr ein Budget von 4 Mio. € bereitstellen, aus dem der Ersatz mit neuen Geräten bezahlt werden soll. Zu den Verteilungsregelungen für dieses Budget will man noch ein Konzept erstellen. Die Aufsätze auf die stationären Kartenterminals, die technische Abstürze der Komponenten beim Einlesen der kontaktlosen eGK der Generation 2.1 verhindern sollen, werden über eine Anpassung der TI-Finanzierungsvereinbarung finanziert.

Keinen Erfolg hatte die KBV in zwei Punkten: Es werden von den Kassen keine Sonderpauschalen für aufgelaufene Kosten (nach-)gezahlt, die den Praxen in der Vergangenheit nicht erstattet wurden. Außerdem wurde der Bezugszeitraum für die Berechnung des Anspruchs auf stationäre Kartenterminals nicht aktualisiert. Damit bleibt es dabei, dass die Anzahl der Betriebsstättenfälle mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt der Jahre 2016/2017 bei einer Praxis Grundlage für die Bemessung der Finanzierung der Anzahl der Updates auf die Fachanwendungen NFDM/eMP bleibt.

Fazit: Die KBV hat seinerzeit den Fehler gemacht, den gesetzlichen Auftrag zur Finanzierung der TI-Kosten durch die GKV über Pauschalen zu vereinbaren. Die auch weiterhin zu erwartenden Kostensteigerungen bei den TI-Komponenten können so nicht zeitnah abgefangen werden. Als Praxis sollte man deshalb versuchen, den ebenfalls steigenden Wettbewerb unter den Anbietern zu nutzen und Verträge abzuschließen, deren Gestehungskosten unterhalb der Pauschalen angesiedelt sind.

Autor
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin
Hofheim am Taunus


Bisher erschienen

Sämtliche bislang veröffentlichte Kommentare von Dr. Zimmermann finden Sie zum Nachlesen unter:
www.allgemeinarzt.digital/berufspolitik/wie_ich_es_sehe


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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