16. Juni 2021

Telekonsil

Das machen wir doch schon immer

Hausärzte tauschen sich mit Kollegen über die Diagnostik/Therapie bei Krankheitsbildern ihrer Patienten aus. Das ist nicht neu! Nach einem Beschluss des Ergänzten Bewertungsausschusses (EBA) ist ein solches Konsil jetzt aber nach den Nrn. 01670, 01671 und 01672 EBM berechnungsfähig. Die Detailregelungen wurden in einer „Vereinbarung nach §291g Absatz 6 SGB V über technische Verfahren zu telemedizinischen Konsilien (Telekonsilien-Vereinbarung)“ zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband vereinbart.

Die neue Nr. 01670 EBM ist ein Zuschlag zu den jeweiligen vertragsärztlichen Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen für das Einholen eines Telekonsils. Sie beinhaltet obligat die Beschreibung der medizinischen Fragestellung, die Zusammenstellung aller für die Befundung relevanten Informationen, die Einholung der Einwilligung des Patienten und – das ist besonders zu beachten – deren elektronische Übermittlung. Sie kann zweimal im Behandlungsfall berechnet werden. Die Nr. 01671EBM beinhaltet die konsiliarische Beurteilung der medizinischen Fragestellung, die Erstellung eines schriftlichen Konsiliarberichtes sowie auch hier die elektronische Übermittlung an den Arzt, der das Telekonsilium eingeholt hat. Die Leistung umfasst eine Dauer von bis zu 10 Minuten, bei zeitaufwändigeren telekonsiliarischen Beurteilungen kann zusätzlich die Nr.01672 EBM als Zuschlag zur Nr. 01671 je weitere vollendete 5 Minuten, maximal dreimal im Behandlungsfall, berechnet werden. Die neu aufgenommenen Leistungen werden außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) und damit extrabudgetär vergütet. Ein Telekonsil ist zwischen Ärzten aller Fachgruppen und mit Krankenhausärzten – auch ohne Ermächtigung – möglich.

Bei einem Telekonsil zwischen einem Hausarzt und z.B. einem Kardiologen würde sich die Leistungsabrechnung auf der Hausarztseite wie folgt darstellen:

WICHTIG: Übermittlung muss via KIM erfolgen

Die Berechnung der Leistungen setzt voraus, dass es auch zu einer Übermittlung der Unterlagen des Patienten vom anfragenden Arzt an den befragten Arzt kommt. Seit dem 1. April 2021 ist diesbezüglich nur noch die Übermittlung der Befunde auf dem elektronischen Weg durch von der gematik bestätigte Anwendungen des Gesundheitswesens wie z.B. den KIM-Dienst zugelassen. Dafür kann für den Versand die Nr. 86900 EBM zzgl. eines bis zum 30. Juni 2023 gültigen Förderzuschlages nach Nr. 01660 EBM berechnet werden. Erfolgt die Übermittlung auf einem anderen Weg, z.B. per Post, Fax oder per „normaler“ E-Mail, werden alle genannten Leistungen nicht vergütet. Die Erörterung der Befunde zwischen dem anfragenden und befragten Arzt kann per Telefon oder auch per Video erfolgen. Im letztgenannten Fall können durch den anfragenden Arzt zusätzlich die Nrn. 01450/01451 EBM als Videozuschlag berechnet werden. Eine alleinige telefonische Beratung zwischen zwei Ärzten ist nicht nach den Nrn. 01670 bis 01672 EBM berechnungsfähig.

Autor:
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin Hofheim/Taunus


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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