26. März 2021

COVID-19-Impfungen

Die Impfberatung wird uns noch intensiv beschäftigen!

Eine Pandemie kann man nur mit einer ausreichend hohen erworbenen Herdenimmunität beherrschen. Von einer notwendigen Immunität von etwa 80 Prozent in der Bevölkerung bei in Deutschland gerade einmal rund 2 Millionen genesenen Infizierten mit einem ausreichend hohen Antikörperanteil sind wir aktuell noch weit entfernt.

Die Impfung gegen SARS-CoV-2 soll es deshalb richten! Die Übergangsphase will man mit einem mittlerweile recht „harten“ Lockdown gewährleisten. In diesem Zusammenhang wurde auch das Thema „Impfpflicht“ ins Spiel gebracht, um möglichst schnell auf diesem Weg eine flächendeckende Immunitätslage zu erreichen. Alle verfassungsrechtlich kompetenten Juristen haben zwar festgestellt, dass unser Grundge-setz das nicht erlaubt, bei der Masernimpfung ist sie aber bereits umgesetzt worden! Wer sich nicht gegen Masern impfen lässt, bekommt nicht den gewünschten Kindergarten- oder Schulplatz für sein Kind oder kann seinen Beruf nicht mehr ausüben. Nichts spricht dagegen, dieses „Erfolgsmodell“ auch bei der SARS-CoV-2-Impfung anzuwenden.

Die wiederholte Forderung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die SARS-CoV-2-Impfung schnellstmöglich auch in den ambulanten Praxen durchführen zu lassen, muss man auch unter diesem Aspekt sehen. Klar ist, dass die jetzt aus dem Boden gestampften Impfzentren es in einem akzeptablen Zeitraum nicht schaffen werden, eine ausreichende Zahl an Bundesbürgern zweimal zu impfen. Das geht nur, wenn die bisher impfenden Praxen das auch dürfen. Je länger das aber dauert, und damit die zunehmend nicht mehr akzeptablen Lockdown-Maßnahmen, wird ein Ruf nach einem Immunitätsausweis lauter werden, mit dem man ohne „Schlangestehen“ verreisen und zumindest auch zum Friseur, zur Massage, ins Fitnessstudio oder zum Nagelstudio gehen kann. Ein Run auf die Arztpraxen dürfte die Folge sein.

Den Anfang erleben wir bereits jetzt! Patienten fragen – bevor sie zum Impfen gehen – bei uns in den Praxen nach, ob sie sollen oder wie sie die Warteschleife bei 116 117 überwinden können. Der Hausärzteverband schlägt deshalb ein Impfberatungshonorar vor, kommt mit dieser Forderung aber viel zu spät.

Hinzu kommt möglicherweise ein anderes Problem: Impfungen in den Praxen wird es nur mit SARS-CoV-2-Impfstoffen geben können, die im Kühlschrank und nicht bei minus 70 Grad gelagert werden müssen. Im Kühlschrank lagerbar ist bisher nur der sog. ChAdOx1-Impfstoff, der nicht über den Umweg der mRNA, sondern als viraler Vektor – wie dies bei den gängigen Impfstoffen wie z.B. gegen Masern der Fall ist – seine Wirkung entfaltet. Der in der Öffentlichkeit bereits geäußerte Wunsch, sich den Impfstoff, mit dem man geimpft wird, aussuchen zu können, dürfte mit diesem unterschiedlichen Impfprinzip in Verbindung zu bringen sein. Wenn aber in den Praxen nur ChAdOx1 verimpft wird, was passiert dann mit BNT162b von BioNTech? BNT162b kann wegen der Kühlkette weiterhin nur in Impfzentren verimpft werden, was machen wir aber dann mit Personen, die eine Impfung im Zentrum ablehnen und von uns geimpft werden wollen? Darüber hat bei den politisch Verantwortlichen offensichtlich noch niemand auch nur nachgedacht!

Autor:
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin Hofheim am Taunus

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