20. Juli 2021

Digitalisierung der Praxen

Die KBV hat es offensichtlich eilig

Seit dem 1. Juli 2021 sind wir in den Praxen dazu gezwungen, die technischen Voraussetzungen für eine Reihe digitaler Anwendungen zu schaffen. Wer das nicht tut, dem droht sogar eine Honorarkürzung von 1 Prozent.

Die Installationen sollen ab dem 1.Oktober 2021 eine elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und ab dem 1.Januar 2022 das elektronische Rezept (eRezept) und die elektronische Patientenakte (ePA) ermöglichen. Nebenbei erwähnt dürfen wir in diesem Jahr – allerdings freiwillig – auch elektronische Bestätigungen für durchgeführte Impfungen gegen das SARS-CoV-2-Virus ausstellen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schafft im Moment in atemberaubender Geschwindigkeit bereits die vertraglichen Voraussetzungen mit den Kassen. Wir werden deshalb „in den sauren Apfel beißen“ und dieses Spiel mitspielen müssen. Die Frage ist nur, wer das alles bezahlt.

Hier können wir uns glücklicherweise entspannt zurücklehnen. Die Kassen müssen das leisten. Trotzdem ist Vorsicht geboten, denn die KBV hatte sich hier schon früh auf eine pauschale Erstattung eingelassen. Es ist deshalb nicht sicher, ob man die entstehenden Kosten auch wirklich ersetzt bekommt oder sogar einen kleinen „Gewinn“ erzielt, denn die tatsächlich von den jeweiligen Anbietern in Rechnung gestellten Gebühren können durchaus unterschiedlich ausfallen.

Ein besonderer technischer Aufwand ist beim eRezept notwendig. Erforderlich in den Praxen sind:

  • der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) für die qualifizierte elektronische Signatur,

  • ein E-Health-Konnektor, besser ein ePA-Konnektor, um eine Komfortsignatur zu erstellen (frühestens seit 1. Juli 2021 verfügbar),

  • ein PVS-Softwareupdate sowie

  • ein Drucker, der das digitale Zeichen (Tokenausdruck) mit mindestens 450 dpi drucken kann (auch Tintenstrahldrucker möglich).

Eine funktionierende Komfortsignatur ist aus Sicht der KBV erforderlich, um eRezepte praxistauglich ausstellen zu können.

In der Tabelle sind die Pauschalbeträge aufgelistet, die bis zum Jahresende fließen können.

Damit ist die Rallye aber noch nicht beendet. Ab Januar 2024 sollen die Leistungen der Häuslichen Krankenpflege, ab Juli 2025 der Außerklinischen Intensivpflege und der Soziotherapie sowie ab Juli 2026 der Heilmittel und der Hilfsmittel elektronisch übermittelt werden.

Man sollte deshalb wachsam sein und auf der Grundlage dieser Erstattungsbeträge den jeweils günstigsten Anbieter wählen.

Kommentar von Dr. med. Gerd W. Zimmermann


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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