30. April 2021

Schon wieder eine neue „Corona“-TestV

Müssen wir bei der „Bürgertestung“ mitmachen?

Im neuen §4a (Bürgertestung) der „Corona“-Testverordnung (TestV) ist festgelegt, dass asymptomatische Personen einmal pro Woche Anspruch auf eine Testung mittels Point-of-Care(PoC)-Antigentests haben.

Im §6 bleibt dabei unverändert die Regelung, dass die zuständigen Stellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) und die von ihnen betriebenen Testzentren, die vom ÖGD als weitere Leistungserbringer oder als Testzentrum beauftragten Dritten sowie Arztpraxen und die von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) betriebenen Testzentren berechtigt sind, solche Testungen durchzuführen.

Praxen, die solche Antigentests durchführen wollen, können deshalb nach §7 die erbrachten Leistungen und die Sachkosten nach den §§9 bis 11 mit der zuständigen KV abrechnen. Der Aufwand für einen Antigentest wird unverändert nach §10 mit 15€ je Test vergütet, von denen die zuständige KV 0,7% als Verwaltungskosten abziehen darf. Die Vergütung der Sachkosten für die PoC-Antigentests wurde hingegen nach §11 einschließlich der Beschaffungskosten von höchstens 9 auf 6€ je Test reduziert.

Die Vergütung wird auch gewährt, wenn anstatt einer PoC-Diagnostik oder nach einem positiven Antigentest eine Beauftragung eines anderen Leistungserbringers erfolgt und somit nur eine Entnahme von Körpermaterial und eine Versendung an diesen Leistungserbringer stattfindet.

Bei der Kalkulation sollte man deshalb berücksichtigen, dass von den 15€ abzüglich Verwaltungskosten nur 13,43€ übrigbleiben. Bei der Kostenpauschale von 6€ wiederum muss die Praxis den Einkaufspreis zzgl. eventuell entstehender Zusatzkosten wie z.B. Porto und den Verlust einzelner Dosen durch Fehlbestimmung abdecken. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass die Pauschale erst mit der Quartalsrestzahlung durchschnittlich vier Monate später zur Auszahlung kommt und so gewissermaßen als zinsloser Kredit gewährt wird.

Fazit: keine Verpflichtung, präventive Antigentests anzubieten

Wer in seiner Praxis solche rein präventiven Antigentests zu dem festgesetzten Preis erbringen will, kann das tun, muss es aber nicht.

Wichtig bei der Gesamtbeurteilung der neuen Sachlage ist dabei auch die aus der TestV abzuleitende Zuordnung der zu testenden Personen: Handelt es sich um kurative Fälle, also Personen, die symptomatisch sind oder Kontakt zu nachweislich Infizierten hatten und Symptome aufweisen, erfolgt die Abrechnung der Leistungen ebenfalls über die KV, aber zulasten der GKV. Der Nasen-Rachen-Abstrich kann hier extrabudgetär und ohne Kostenrisiko nach Nr.02402 EBM (8,12€) einmal am Behandlungstag berechnet werden und beinhaltet ein Gespräch, die Ergebnismitteilung und ggf. das Ausstellen eines ärztlichen Zeugnisses. Sofern in dem betreffenden Quartal keine Versichertenpauschale zur Abrechnung kommt, kann zusätzlich die Nr. 02403 EBM (7,12€) berechnet werden, so dass auch hier ein Honorar von rund 15€ entsteht.

Autor:
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin
Hofheim/Taunus


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
Neueste Artikel
Affenpocken

So kann man sich in der Praxis darauf vorbereiten

Unmittelbare Gefahr, wie z.B. im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie, scheint nicht im Verzug zu sein. Der bisher schnelle und auch unklare Verbreitungsweg dürfte allerdings dazu führen, dass ...

Jetzt als Regelversorgung

Das gilt bei der telemedizinischen Physiotherapie

Eine Sonderregelung im Rahmen der Pandemie hat bisher schon die telemedizinische Behandlung von Patienten mit physiotherapeutischen Maßnahmen möglich gemacht. Diese dem Schutz des ...