16. Februar 2022

Beratung zur Organspende

Neu ab 1. März: Wichtige Aufgabe für wenig Honorar

Im Rahmen einer Novellierung des Transplantationsgesetzes durch das Gesundheitsversor-gungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) hatte der Bundestag im Januar 2020 eine Beibehal-tung der Zustimmungslösung bei der Organspende beschlossen. Das GVWG tritt nun zum 1. März 2022 in Kraft und sieht unter anderem die Förderung von Maßnahmen vor, mit denen die Organspendebereitschaft und die dazugehörige Dokumentation erhöht werden sollen.

Hausärzten fällt exklusiv ab diesem Datum zumindest abrechnungstechnisch die Aufgabe zu, Patienten regelmäßig (maximal alle zwei Jahre) darauf hinzuweisen, dass sie mit Vollendung des 14. Lebensjahrs einer Organ- und Gewebespende widersprechen und mit Vollendung des 16. Lebensjahres eine Erklärung zur Organ- und Gewebespende abgeben, ändern und widerrufen können. Eine solche Beratung über die Organ- und Gewebespende soll folgende Punkte beinhalten:

  • Möglichkeiten der Organ- und Gewebespende

  • Voraussetzungen für eine Organ- und Gewebeentnahme bei toten Spenderinnen und Spendern

  • Bedeutung der Organ- und Gewebeübertragung

  • Möglichkeit, eine Entscheidung zu Organ- und Gewebespende im Organspenderegister abzugeben

  • Hinweis, dass es keine Verpflichtung gibt, eine Entscheidung zu treffen und zu dokumentieren

In dem Gespräch über Organ- und Gewebespende soll Patienten durch die ergebnisoffene Information eine persönliche Entscheidung ermöglicht werden, die im Einklang mit ihrer Person und ihren persönlichen Werten steht. Dies bedeutet, dass sie neutral informiert werden, Zeit finden, diese Informationen mit ihren eigenen Wertvorstellungen und Wünschen abzugleichen, und sich schließlich aufgrund ihrer persönlichen Überzeugungen für oder gegen eine Spende ihrer Organe und Gewebe entscheiden können.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat diesbezüglich Informationsmaterialien für Ärzte und Patienten entwickelt, die Hausärzten Anfang Februar als Starterpaket zur Verfügung gestellt werden sollen.

Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte erhalten für diese Beratung ab dem vollendeten 14. Lebensjahr des Versicherten extrabudgetär ein Honorar von 7,32 € (Nr. 01480 EBM, 65 Punkte; vgl. Tab.).

Tipp: Leistung in Vorsorgezyklus integrieren!

Die Leistung ist bezogen auf die Bedeutung dieses Themas als nicht angemessen anzusehen. Eine Lösungsmöglichkeit ist aber das angebotene Informationsmaterial, das dem Patienten alle zwei Jahre ausgehändigt werden soll. Dieser Vorgang kann, mit dem Hinweis versehen, dass man nach dessen Studium noch Fragen stellen kann, als Erfüllung der Leistungsbeschreibung angesehen werden. Wegen der Bedeutung dieser Beratung sollte die Maßnahme aber auch nicht vergessen werden. Es empfiehlt sich deshalb, sie in einen Vorsorgezyklus wie den Check-up und/oder das Hautkrebsscreening zu integrieren. Abrechnungstechnisch ist das auch vorteilhaft, denn die Nr. 01480 EBM ist neben Vorsorgen nicht ausgeschlossen und auch der Aufschlag von fünf Minuten auf das Zeitprofil greift dort nicht.

Autor
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin Hofheim/Taunus


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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