8. Februar 2022

Schul- und Sportatteste

So können sie korrekt in Rechnung gestellt werden

Ich brauche für mein Kind eine Krankheitsbescheinigung für die Schule“ oder: „Das Fitnessstudio möchte eine Gesundheitsbescheinigung haben“. Klar ist, dass ein Ausstellen solcher Bescheinigungen durch die Praxen keine Gratisleistung sein darf. Eine Gratisabgabe wäre sogar ein Verstoß gegen das Werbeverbot in der ärztlichen Berufsordnung. Derartige Atteste und vom Patienten gewünschte, private Bescheinigungen können grundsätzlich nicht zu Lasten der GKV abgerechnet werden. Ausgenommen sind nur die Bescheinigungen, die auf vereinbarten Vordrucken erfolgen, wie z.B. die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) oder die Bescheinigung zur Erlangung von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes, die mit der Abrechnung der Versichertenpauschale abgegolten sind. Alle anderen „Wunschbescheinigungen“ müssen als sog. „Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)“ nach GOÄ in Rechnung gestellt werden.

Da das Ausstellen oder Ausfüllen solcher Bescheinigungen mit Aufwand und Zeit verbunden ist, sollte ein Mehraufwand auch angemessen zur Abrechnung kommen. So könnte beispielsweise die Bescheinigung für ein Fitnessstudio, einen Sportverein, den Kindergarten oder die Schule alternativ unter Einsatz des Multiplikators in der GOÄ berechnet werden.

Um einerseits die Menge an Wechselgeld zu minimieren, die man in diesem Zusammenhang in der Praxis bereithalten müsste, bzw. andererseits den individuellen Aufwand besser abbilden zu können, der bei der Erstellung einer solchen Bescheinigung entsteht, kann die gesamte zulässige Breite des Multiplikators eingesetzt werden. Ab einer Steigerung von 3,5 muss zwar eine Begründung angegeben werden. Das kann z.B. aber schon mit dem Hinweis „Ausführliche Bescheinigung“ geschehen.

Einen Sonderfall stellen Bescheinigungen dar, die erforderlich werden, weil ein Schüler nach einem Schul- oder Wegeunfall nicht am Unterricht teilnehmen kann. Grundsätzlich benötigt er zwar keine ärztliche Bescheinigung darüber, dass er aufgrund seiner Verletzung am Unterricht oder an bestimmten schulischen Veranstaltungen nicht teilnehmen kann, denn eine solche Meldung an die Schule erfolgt durch den Erziehungsberechtigten bzw. bei volljährigen Schülern durch den Schüler selbst. Fordert die Schule ausnahmsweise ausdrücklich eine ärztliche Bescheinigung (z.B. wegen der Nichtteil-nahme an einer Prüfung) nach einem Schul- oder Wegeunfall an, kann diese entsprechend einer AU-Bescheinigung nach Nr. 143 UV-GOÄ in Rechnung gestellt werden. Die Kosten trägt in diesem Fall allerdings nicht die Unfallversicherung, sondern der Betroffene selbst oder die anfordernde Institution.

Autor
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin Hofheim/Taunus

Bisher erschienen

Sämtliche 2021 veröffentlichte Kommentare von Dr. Zimmermann finden Sie zum Nachlesen unter:
www.allgemeinarzt.digital/berufspolitik/wie_ich_es_sehe


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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