13. Juni 2022

Jetzt als Regelversorgung

Das gilt bei der telemedizinischen Physiotherapie

Eine Sonderregelung im Rahmen der Pandemie hat bisher schon die telemedizinische Behandlung von Patienten mit physiotherapeutischen Maßnahmen möglich gemacht. Diese dem Schutz des Patienten vor Infektionen gewidmeten Regelungen sind – wie eine ganze Reihe anderer auch – Ende März 2022 ausgelaufen. Sie werden nun aber durch dauerhafte Behandlungsmöglichkeiten auf diesem Weg ersetzt. Hintergrund ist das Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG), das einen Anspruch der GKV-Versicherten auf eine telemedizinische Behandlung mit Heilmitteln vorsieht (§32 Abs.1 SGBV). Nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) am 21. Oktober 2021 wurde zunächst festgelegt, wie Maßnahmen der Heilmitteltherapie als telemedizinische Leistung durchgeführt werden können, und die Heilmittel-Richtlinie entsprechend angepasst. Mit einem aktuellen Beschluss vom 18. März 2022 hat der G-BA nun entschieden, die COVID-19-Sonderregelungen im Bereich der veranlassten Leistungen und damit auch der Physiotherapie auslaufen zu lassen und ab 1. April 2022 in die Regelversorgung aufzunehmen.

Das sind die Rahmenbedingungen, die man in der Praxis beachten muss

Welche Leistungen der Physiotherapie aus dem zur Verfügung stehenden Katalog erbracht werden sollen, entscheiden ausschließlich Vertragsärztinnen und -ärzte beim Ausstellen der Heilmittelverordnung (Formular 13). Ist dies möglich, bedarf es keiner weiteren Maßnahmen auf dem Verordnungsformular, so dass der Therapeut frei entscheiden kann. Spricht aus ärztlicher Sicht hingegen ein wichtiger Grund dagegen, so muss eine Behandlung per Video mit einem entsprechenden Hinweis auf dem Verordnungsformular im Feld „ggf. Therapieziele/weitere med. Befunde und Hinweise“ ausgeschlossen werden. Wenn sich erst im Laufe der Heilmittelbehandlung ergibt, dass diese auch per Video erfolgen kann, ist dies nach Zustimmung des Versicherten und im Einvernehmen mit dem verordnenden Vertragsarzt ebenfalls möglich.

Diese telemedizinischen Leistungen sind jetzt verordnungsfähig

Physiotherapeutische Leistungen, die telemedizinisch erbracht werden können, sind Allgemeine Krankengymnastik (KG) als Einzel- und Gruppenbehandlung, KG-Muko zur Behandlung schwerer Erkrankungen der Atmungsorgane, KG-ZNS für Kinder und Erwachsene nach Bobath sowie Manuelle Therapie. Hinzu kommen die Bereiche der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie der Ergotherapie, bei denen bisher aber keine Einigung zur Umsetzung erzielt werden konnte und die Schiedsstelle angerufen wurde. Bei der Ernährungstherapie kann per Video die Anamnese und die Intervention durchgeführt werden, allerdings nur bei nicht mehr als 50% der verordneten Zeitkontingente, wovon bis zu 30 Minuten auch als telefonische Beratung berechnungsfähig sind.

Fazit: Die Sache ist für die Praxen ein „zweischneidiges Schwert“. Die Leistungen können per Video bzw. im Falle der Ernährungsberatung auch telefonisch erbracht werden. Das eröffnet Physiotherapeuten erhebliche Möglichkeiten zur Leistungsausweitung. Findet der Patient eine solche Behandlung auch gut, haben Vertragsärztinnen und -ärzte den „Schwarzen Peter“. Nur wenn sie eine solche Behandlung aktiv ausschließen, muss sie vor Ort erfolgen. Bei Pflegepatienten kommt ggf. der Druck der Kassen hinzu, die dort notwendige zusätzliche Abrechnung von Hausbesuchen durch eine Videobehandlung zu ersetzen.

Autor
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin
Hofheim am Taunus


Bisher erschienen

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Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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