8. September 2021

SARS-CoV-2-Pandemie

Zuordnung und Kodierung entscheiden über Abrechnungsweg!

Nach einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Meldung von Verdachtsfällen von SARS-CoV-2 (sog. RKI-Kriterien) sind Personen mit jeglichen mit COVID-19 vereinbaren Symptomen und Kontakt mit einem bestätigten Fall als kurative Fälle einzustufen. In seiner 490. Sitzung hatte der Bewertungsausschuss (BA) außerdem beschlossen, dass als COVID-19-typische Symptome eine akute respiratorische Insuffizienz oder der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn oder klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie anzusehen sind. Beide Definitionen haben einen Empfehlungscharakter und können durch weitere klinische Erkenntnisse ergänzt werden.

Bis zu einer Bestätigung der Infektion durch einen PCR-Test erfolgt die Kodierung über U99.0G („Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2“) und Z20.8G („Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten“). Da beide Codes mit einem „!“ gekennzeichnet sind, müssen sie durch eine weitere Diagnose, z.B. J06.09G („Akute Infektion der oberen Atemwege, nicht näher bezeichnet“), ergänzt werden. Möglich wäre auch der Einsatz des neuen Codes U08.9G, wenn ein COVID-19-Fall in der Eigenanamnese vorliegt. Dieser Code enthält kein „!“ und wäre damit auch als Ergänzungskodierung ausreichend.

Fällt der Test negativ aus, bleibt es bei diesen Kodierungsmöglichkeiten, im positiven Fall kommt der Code U07.1G hinzu.

Wichtig!

Nach §2 der Testverordnung (TestV) wird die Warnung durch die Corona-Warn-App als kurativer Fall eingestuft. Nach einer aktuellen Änderung der TestV zum 1. Juli 2021 ist außerdem die Vergütung eines Abstrichs mit ggf. zusätzlicher Berechnung der Sachkosten für einen Antigentest beim sog. „Bürgertest“ nach § 4a der TestV abhängig von einer Weitergabe des Testergebnisses an die Corona-Warn-App. Betroffen von dieser Auflage sind aber ausschließlich diese Bürgertestungen nach § 4a der TestV. Alle anderen o.g. Fälle müssen nicht über die Corona-Warn-App dokumentiert werden.

Dies ist auch nicht der Fall, wenn die Voraussetzungen für die Vergütung eines „Bürgertests“ nach § 4a der TestV nicht gegeben sind, weil der Betreffende mehr als eine Testung pro Woche beansprucht (hat). In diesem Fall erfolgt die Abrechnung nach GOÄ. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat dazu den Ansatz der GOÄ-Nrn. 298-4648-1-70 und aktuell auch A245 empfohlen.

Die Abrechnung der Leistungen nach EBM oder zu Lasten des BMAS finden Sie unter der Rubrik „Abgerechnet“ auf Seite 64–65.

Das sind die präventiven Testanlässe

Nach § 3 der Testverordnung (TestV; „Testungen von Personen nach Auftreten von Infektionen in Einrichtungen und Unternehmen“) sind Testungen aber auch bei asymptomatischen Personen möglich, wenn diese zu einer mit SARS-CoV-2 infizierten Person Kontakt in Einrichtungen hatten, selbst wenn bereits eine Genesung eingetreten ist. § 4 der TestV („Testungen zur Verhütung der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2“) erlaubt Testungen bei asymptomatischen Personen auch ohne Kon-takt, wenn sie in definierten Einrichtungen tätig sind oder dort aufgenommen werden sollen! Nach § 4a der TestV („Bürgertestung“) schließlich haben auch asymptomatische Personen ohne einen Kontakt zu Infizierten – zumindest noch bis Mitte Oktober – einmal pro Woche Anspruch auf eine Testung mittels PoC-Antigentest.

In solchen Fällen ist im Rahmen der Leistungsabrechnung keine Kodierung vorgeschrieben, möglich ist aber auch der Ansatz der Codes U99.0G („Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV-2“) und Z11G („Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten“).

Autor:
Dr. med. Gerd W. Zimmerman
Facharzt für Allgemeinmedizin Hofheim/Taunus


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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