© FotoMirta iStockphoto

14. März 2019

Berufsdermatosen

Prävention statt Pension

<p class="article-intro">Berufsdermatosen sind zumeist Kontaktekzeme, hinter denen sich häufig eine Allergie verbirgt. Eine Primärprävention besteht nicht so sehr aus Verboten, sondern aus Informationen zum sicheren Umgang mit Gefahren am Arbeitsplatz.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Ein Bauarbeiter mit Ende 40, der allergisch auf das im Zementstoff enthaltene Chromat reagiert: Der Allergenkontakt sei nicht zu vermeiden und eine Umschulung nicht sinnvoll, hie&szlig; es noch vor wenigen Jahrzehnten. Als einziger Ausweg blieb meist nur die Invalidit&auml;tspension. Vieles hat sich seitdem ge&auml;ndert: Bauarbeiter tragen Handschuhe, der Zement ist Chromat-arm und Schutz- und Pflegema&szlig;nahmen werden vom Arbeitgeber ergriffen. Die Meldungen von berufsbedingten Krankheiten erfolgt meist fr&uuml;her, die AUVA bietet Schulungen an, nimmt Betriebs- und Arbeitsplatzbesichtigungen vor und ber&auml;t &uuml;ber bessere organisatorische Abl&auml;ufe. Auch das soziale Netz ist dichter. Dennoch ist ein berufsbezogenes Risikoverhalten, etwa das Arbeiten mit nacktem Oberk&ouml;rper bei starker Sonnenexposition, nach wie vor wahrzunehmen.</p> <h2>Zweith&auml;ufigste Berufserkrankung</h2> <p>Nach der L&auml;rmschwerh&ouml;rigkeit, die meist im Alter manifest wird, sind Berufsdermatosen die zweith&auml;ufigste Berufserkrankung. Sie betreffen h&auml;ufig junge Menschen, Umschulungen sind problematisch. Bestimmte Berufe sind von Hauterkrankungen st&auml;rker betroffen: Friseure 27 % , Metall- 15 % , Lebensmittel-, Gastro- 11 % , Bau- 10 % , Gesundheits- 9 % , Reinigungsberufe 6 % , sonstige Berufe 22 % (Quelle: AUVA).</p> <p>&bdquo;Berufsdermatologen k&ouml;nnen mit einer korrekten Diagnostik und Beratung Hilfe beim sicheren Arbeiten geben&ldquo;, erkl&auml;rt Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer, Universit&auml;tsklinik f&uuml;r Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universit&auml;t Graz. Das illustriert auch ein zweites Beispiel: Eine 21-j&auml;hrige Hilfsk&ouml;chin hatte ein Handekzem. Ihre Job Description beinhaltete putzen, Salat waschen und mit Fleisch bzw. Fisch &bdquo;hantieren&ldquo;. Eine umfassende Diagnostik ergab eine Allergie auf Meeresfr&uuml;chte. &bdquo;Fortan wurde der Kontakt mit Meeresfr&uuml;chten vermieden, mit dem Resultat, dass die Patientin beschwerdefrei ist und ihren Beruf weiter ohne Probleme aus&uuml;ben kann&ldquo;, so Aberer. Der Arbeitgeber ist zur Beachtung des allgemeinen Arbeitsschutzes verpflichtet, dazu geh&ouml;rt die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Arbeitsorganisation, das Bereitstellen geeigneter Arbeitsmittel und die Begrenzung der Gefahrstoffe. Mit Methoden wie St&auml;rkung der Motivation und der Gesundheitskompetenz kann gesundheitssch&auml;dliches Verhalten reduziert bzw. gesundheitsf&ouml;rderliches Verhalten unterst&uuml;tzt werden. Auch der Gesetzgeber kann durch Gesetze und Vorschriften, Sanktionsma&szlig;nahmen sowie Anreiz- und Bestrafungssysteme das Verhalten des Einzelnen beeinflussen.</p> <h2>Gesundheitserhaltende Rahmenbedingungen schaffen</h2> <p>Herrschte fr&uuml;her die allgemeine Ansicht, dass das Thema Pr&auml;vention nicht ins Krankenhaus geh&ouml;rt, hat sich heute das Thema &bdquo;Prophylaxe&ldquo; mit Medikamenten, Impfungen und Screenings als neuer medizinischer Markt etabliert. &bdquo;Aber einer wirklich effizienten Pr&auml;vention, n&auml;mlich der Schaffung gesundheitserhaltender Rahmenbedingungen, einem gesundheitsf&ouml;rdernden Umfeld, der Investition in die Bildung im Bereich der Gesundheitskompetenz, einer gesunden Arbeitswelt und einem fairen Einkommen wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt&ldquo;, kritisiert Aberer.<br /> Die Zahlen scheinen das zu best&auml;tigen: Im Jahr 2012 betrugen die Gesundheitsausgaben in &Ouml;sterreich 32,3 Milliarden Euro (Quelle: Statistik Austria), Tendenz seither steigend. Der &uuml;berwiegende Anteil in der Vorsorge geht in die sekund&auml;re (Fr&uuml;herkennung und Impfprogramme) und in die terti&auml;re Pr&auml;vention (Rehabilitation und Kuren) sowie in die Verwaltung.</p> <p>&bdquo;Allein durch Beratung und Pr&auml;vention k&ouml;nnen zahlreiche Krankenst&auml;nde vermieden werden, was mit einer dramatischen Kostensenkung einhergeht&ldquo;, sagt Aberer. Viele k&ouml;nnen dadurch ihren Beruf weiterhin aus&uuml;ben, was ihnen ansonsten nicht gel&auml;nge, wie auch eine Studie unter Friseurinnen und Friseuren zeigen konnte.<sup>1</sup><br /> Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden &ndash; beginnend 2015 in der Steiermark und seit 2018 fl&auml;chendeckend in ganz &Ouml;sterreich &ndash; Hautsprechstunden mit Dermatologen und Arbeitsmedizinern als &bdquo;Anlaufstellen&ldquo; f&uuml;r alle dermatologischen Fragestellungen eingerichtet. Daneben werden &bdquo;Intensivseminare&ldquo; mit Impulsvortr&auml;gen, Kleingruppenarbeiten und individuellen Beratungsgespr&auml;chen angeboten. Ebenfalls 2015 wurde in der Rehaklinik Tobelbad in Graz eine dermatologische Einrichtung, in der Diagnostik, Gesundheitsf&ouml;rderung und Simulationstraining mit Schutzausr&uuml;stung angeboten werden, er&ouml;ffnet.<sup>2</sup></p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), 29. November bis 1. Dezember 2018, Innsbruck </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Wulfhorst B et al.: Int Arch Occup Environ Health 2010; 83(2): 165-71 <strong>2</strong> Wilfinger D, Aberer W: Curriculum Berufsdermatologie &ndash; Neues Pr&auml;ventionsmodell in &Ouml;sterreich. J Deutsch Dermatol Ges 2017; 15(5): 591-3</p> </div> </p>
Neueste Artikel
Diagnostik und Therapie von Hauttumoren

Hautkrebsbehandlung in der Hausarztpraxis

Die Behandlung von Hautkrebs und dessen Vorstufen wird in Zukunft aufgrund der epidemiologischen Entwicklungen an Bedeutung zunehmen. Die Inzidenz aller Hauttumoren ist in den letzten ...

Psyche und Sexualität

Sexuelle Probleme nach traumatischer Gewalt

Wer in der Vergangenheit traumatische, sexuelle oder emotionale Gewalt erlebt hat, leidet nicht nur häufiger unter körperlichen und psychischen Erkrankungen, sondern auch unter Problemen ...

Kontroverse: COVID-19-Vektorimpfstoffe

Aufhebung von Altersempfehlung und Priorisierung

Das Thromboserisiko nach Verabreichung des COVID-19-Impfstoffs der Firma Janssen Cilag lässt sich für Deutschland noch nicht klar beziffern, daher auch nicht mit dem Risiko nach ...