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10. Dezember 2020

Einfache funktionelle Belastungstests bei Atemwegserkrankungen

Funktionelle Belastungstests erfassen gleich mehrere Organsysteme wie Lunge, Herz-Kreislauf und periphere Muskulatur. Zudem lassen sich Koordinationsfähigkeit und Motivation des Patienten mit ihrer Hilfe beurteilen.

Der 6-Minuten-Gehtest

Durchführung

Die valide Interpretation des 6-Minuten-Gehtests, besonders zur Verlaufsbeobachtung, erfordert eine streng standardisierte Untersuchungstechnik. Diese ist in einem gemeinsamen Statement der europäischen und US-amerikanischen Fachgesellschaften (ERS/ATS) definiert.1 In einem mindestens 30 Meter langen Korridor geht der Patient nach einer ausführlichen standardisierten Einweisung auf einer Pendelstrecke um zwei Wendemarken hin und her. Der Patient bestimmt die Gehgeschwindigkeit und damit die Belastungsintensität selbst. Zu Beginn werden zumindest Sauerstoffsättigung, Pulsfrequenz und Dyspnoe anhand der 10-Punkte-Borg-Skala erhoben. Weitere Rahmenbedingungen (z. B. Gehen mit oder ohne Rollator, Sauerstoflussrate etc.) sollten ebenfalls dokumentiert werden und bei einem Re-Test unverändert bleiben. Die verbalen Instruk tionen vor und während des Tests sind standardisiert festgelegt (Tab. 1) und sollten immer gleich angewandt werden.1–3

Der Untersucher begleitet den Patienten im Abstand von etwa 1 Meter und notiert dabei die während des Tests aufgetretene geringste Sauersto sättigung (mittels Puls oxymeter) sowie die höchste Pulsfrequenz.4 Nach Ablauf der 6 Minuten wird die zurückgelegte Wegstrecke mithilfe der Bodenmarkierungen (die alle 3 bis 5 Meter angebracht sein sollten) dokumentiert und die empfundene Dyspnoe mittels der Borg-Skala erfragt. Offizielle Kriterien für den Abbruch seitens des Untersuchers sind: Brustschmerzen, intolerable Atemnot, Beinkrämpfe, schwankender Gang, Kaltschweißigkeit oder plötzliches Erblassen.1

Abb.1 : Die 6-Minuten- Gehteststrecke als prädiktiver Wert für die Mortalität bei COPD-Patienten11

Interpretation

Für den deutschsprachigen Raum hat sich beim 6-Minuten-Gehtest die Sollwertberechnung nach Troosters bewährt.6 Eine absolute 6-Minuten- Gehteststrecke unterhalb von 300 bis 350 Meter ist bei COPD mit einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert.7–9 Darüber hinaus wurde bei COPD-Patienten eine jährliche Abnahme der Gehteststrecke von mehr als 30 Meter als relevanter Wert identifiziert, der mit einem deutlich erhöhten Mortalitätsrisiko einhergeht.10 Wird der 6-Minuten-Gehtest (z. B. nach einer Intervention) erneut durchgeführt, so gilt eine Verbesserung von 25 bis 33 Meter und mehr als klinisch relevant.1

„Sit-to-stand“-Tests (STST)

Durchführung

Ein STST ist schnell und ohne besondere materielle oder räumliche Voraussetzungen durchführbar. Benötigt werden ein normaler Stuhl (Sitzhöhe 46 bis 48 cm) und eine Stoppuhr. Der Proband wird gebeten, vom Stuhl aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. Der Test beginnt und endet jeweils in sitzender Position. Die Arme sind vor der Brust verschränkt.

Interpretation

Interpretation Als STST haben sich hauptsächlich der 5-Wiederholungen-STST und der 1-Minuten- STST etabliert. Bei der ersten Variante geht es darum, fünfmal hintereinander so schnell wie möglich aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. Die hierfür benötigte Zeit wird gestoppt. Beträgt sie mehr als 11 Sekunden, so ist zum Beispiel das Sturzrisiko signifikant erhöht.12
Beim 1-Minuten-STST hat der Proband 1 Minute Zeit, um bei einem selbst gewählten Tempo so oft wie möglich aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. 13 Die Anzahl der in 1 Minute komplett durchgeführten Wiederholungen stellt bei Patienten mit COPD einen starken Prädiktor für die Mortalität dar.14 Weniger als 11 Wiederholungen sind ein Schwellenwert für eine geringe 2-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit; mehr als 20 geschaffte Wiederholungen gelten als positiver Schwellenwert.14

Fazit

Einfache funktionelle Belastungstests wie der 6-Minuten-Gehtest oder „Sit-to-stand“-Tests dienen bei vielen Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen zur Erhebung der körperlichen Belastbarkeit, Verlaufskontrolle oder Evaluation einer Inter vention (z. B. neue Medi kation, Rehabilitation). Apparative Voraussetzungen sowie Zeitbedarf sind gering und die Tests in verschiedenen Settings einfach umsetzbar.

Autor:

Dr. Rainer Glöckl
Forschungsinstitut für pneumologische Rehabilitation
Schön Klinik Berchtesgadener Land,
Schönau am Königssee

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