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29. März 2021

Asthma Bronchiale

Was gibt es Neues?

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass Asthma mit Fettleibigkeit assoziiert ist und welche Parameter dafür verantwortlich sind. Basis der Asthmatherapie sollten die GINA-Empfehlungen sein. Dass diese auch bei den Patienten im „echten Leben“ ankommen, belegen ebenfalls aktuelle Untersuchungen.

Dass Fettleibigkeit einen Risikofaktor für das Entstehen eines schweren Asthmas darstellt, ist weitgehend bekannt. In einer Studie untersuchten nun Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Marco Idzko, Wien, eine mögliche Assoziation von Fettleibigkeit mit Parametern des schweren Asthmas.

Dazu wurden die Daten von 1.065 Patienten des deutschen Registers für schweres Asthma ausgewertet. Das mediane Alter betrug 49 Jahre, 58% der Patienten waren Frauen, der mediane Body-Mass-Index (BMI) lag bei 27kg/m2, 26% der Patienten waren adipös (BMI ≥30kg/m2). Von den 1.065 Patienten wurden 107 mit Anti-IgE- und 237 mit Anti-IL-5(R)-Antikörpern behandelt. Der gleiche Anteil an adipösen und nicht adipösen Patienten erhielt Biologika, jedoch standen adipöse Patienten öfter unter LAMA-Therapie (60% vs. 51%; p=0,01), hatten mehr Exazerbationen (4,5/Jahr vs. 3,6/Jahr; p=0,003), eine schlechtere Lebensqualität und öfter unkontrolliertes Asthma (88% vs. 78%; p<0,001). Fettleibigkeit war außerdem assoziiert mit weniger Blut-Eosinophilen, mehr Neutrophilen und schlechteren Lungenfunktionsparametern: FEV1 und FVC. Adipöse Patienten waren zusätzlich öfter Raucher.

In dieser Patientenkohorte repräsentiert Fettleibigkeit also einen spezifischen Phänotyp des schweren Asthmas, der signifikant mit Exazerbationen, schlechterer Lebensqualität, einer niedrigeren Zahl an Blut-Eosinophilen sowie niedrigeren FEV1- und FVC-Werten assoziiert ist.

Asthmamanagement-Empfehlungen kommen im Real-World-Setting an2

Die Empfehlungen zum pharmakologischen Management des Asthmas waren in den letzten Jahren einem stetigen Wandel unterworfen. Eine von Dr. Daniel Doberer, Wien, initiierte Studie untersuchte nun die Verschreibungsmuster von Medikamenten für Asthmapatienten in einem Real-World-Setting.

Dazu wurden in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse Patienten ermittelt, die zwischen 2005 und 2018 mindestens ein Rezept für ein antiobstruktives Medikament (AO) erhalten hatten (n=77.664; 46% männlich, 54% weiblich). Basierend auf der Diagnose der Patienten (Krankenhausaufenthalte und Krankenstandstage) und dem Verschreibungsmuster wurde eine Kohorte selektiert (48% der Patienten mit Rezept für ein AO).

Im Rahmen dieser Untersuchungen konnte im Zeitraum 2013 bis 2014 eine signifikante Verringerung der Reliever-Medikamente bei einer gleichzeitigen Zunahme der Controller-Medikamente, insbesondere der Kombination von inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und Formoterol (F), beobachtet werden. Subgruppenanalysen zeigten, dass dieses Muster bei unterschiedlich definierten Asthmakohorten konsistent ist. Dies traf jedoch nicht auf eine COPD-Kohorte zu und war bei den Patienten ausgeprägter, die bei einem Asthmaspezialisten in Behandlung waren. Genau in diesem Zeitraum, nämlich 2013, wurden zwei große Studien präsentiert, die das „single inhaler treatment“ (SIT) vorstellten, das 2014 auch in den GINA-Report aufgenommen wurde. Das zeigt, dass Änderungen der Empfehlungen des Asthmamanagements effektiv und schnell in der Praxis umgesetzt wurden.

Review:
Dr. Katrin Spiesberger

1 Bal C et al.: The german severe asthma registry: obesity is associated with asthma parameters. 44. ÖGP-Jahrestagung 2020; Abstract No. P19


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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