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11. November 2021

Risikofaktoren und Prävention

LDL-C auf geforderten Zielwert senken – aber wie?

Für Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit geben die ESC-Leitlinien zur Risikoreduktion das ambitionierte LDL-Cholesterin-Ziel (LDL-C) von <55mg/dl vor. Dieses Ziel kann mit einer Statinmonotherapie meist nicht erreicht werden. Eine spanische Studie zeigt, dass die Chancen auf eine Erreichung des LDL-C-Ziels mit der Kombinationstherapie von Rosuvastatin und Ezetimib deutlich steigen.

Die Kombination eines Statins mit Ezetimib wird mit Klasse IIa und einem Evidenzlevel B in den ESC-Guidelines zur Senkung des LDL-C empfohlen, wenn die Zielwerte mit einer Statinmonotherapie nicht erreicht werden können. Das ist beispielsweise bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) der Fall, für die das LDL-C-Ziel kürzlich auf <55mg/dl gesenkt wurde, was in aller Regel den Einsatz von Kombinationstherapien erforderlich macht. Bewährte Kombinationspartner für Statine sind die PCSK9-Inhibitoren, die allerdings in vielen Ländern nur dann erstattet werden, wenn das LDL-C unter maximal tolerierter Statintherapie bzw. bei Statinintoleranz über 100mg/dl bleibt. Damit ergibt sich eine beträchtliche therapeutische Lücke für zahlreiche Patienten, die keinen PCSK9-Inhibitor erhalten können, obwohl diese deutlich über ihren empfohlenen LDL-C-Zielwerten liegen.

Statinmonotherapie reicht oft nicht aus

Eine spanische Gruppe um Alberto Cordero vom Universitätsspital San Juan in Alicante stellte die Frage, ob die Lösung dieses Problems in einer Fixkombination von Rosuvastatin und Ezetimib liegen könnte, und führte daher eine retrospektive Analyse aller Krankengeschichten von Patienten durch, die 2019 und 2020 an einem spezialisierten Zentrum für KHK behandelt worden waren. Die Einschlusskriterien waren eine bestehende KHK und ein LDL-C-Wert <100mg/dl unter einer Statintherapie oder >100mg/dl ohne bestehende lipidsenkende Therapie. Es wurden auch Patienten analysiert, bei denen die Behandlung bei Krankenhausentlassung nach einer Hospitalisierung wegen eines akuten Koronarsyndroms (ACS)oder wegen eines chronischen Koronarsyndroms (CCS) initiiert worden war.

Insgesamt wurden 137 Patienten mit einem mittleren Alter von 62 Jahren in die Studie eingeschlossen, davon 79,4% Männer. Ein akutes Koronarsyndrom hatten 24,1% der Patienten hinter sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten eine Statintherapie vor Beginn der Kombinationstherapie erhalten hatten, war bei CCS-Patienten höher als bei ACS-Patienten (71,2% vs. 8,2%).

Fixkombination erreicht LDL-C-Ziel

Vor Beginn der Therapie lag das mittlere LDL-C des Kollektivs bei 103,0mg/dl. Der mittlere LDL-C-Wert war bei den ACS-Patienten höher (121,3 vs. 97,4; p<0,001). Ein zweiter Bluttest wurde im Median 203 Tage nach der Umstellung auf die Fixkombination von Rosuvastatin und Ezetimib durchgeführt. Dabei zeigte sich ein mittleres LDL-C von 60,8mg/dl. Unterschiede zwischen den ACS- und CCS-Gruppen wurden nicht festgestellt. Die mittlere LDL-C-Reduktion betrug 38,5% und fiel bei den ACS-Patienten ausgeprägter aus als bei den CCS-Patienten (49,9% vs. 34,7%). Den Zielwert von LDL-C <55 mg/dl erreichten 42,1% der Patienten. Auch hier waren es wieder mehr ACS- als CCS-Patienten: 59,3% vs. 36,3% (p=0,036). Auch die Triglyzeride wurden von 149,1mg/dl auf 124,7mg/dl reduziert. Es trat keine Erhöhung der Transaminasen auf.

Fazit

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Kombination von Rosuvastatin und Ezetimib eine gute und sichere Option für Patienten mit KHK ist, die keinen PCSK9-Inhibitor bekommen können und dass Patienten nach einem akuten Koronarsyndrom besonders von dieser Option profitieren.

Bericht: Reno Barth

Cordero A et al. LDLc reduction with fixed-dose combination rosuvastatin-ezetimibe in patients with coronary heart disease that are not candidates for PCSK9 inhibitors treatment. Posterpräsentation, digital, ESC-Kongress, The Digital Experience, 27.-30.8.2021

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