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21. November 2022

Grippeimpfungen in Apotheken

Aus Sicht der Allgemeinärzte ist es ein Sakrileg: GKV-Spitzenverband und Deutscher Apothekerverband haben sich verständigt, dass Grippeschutzimpfungen in Apotheken in den Regelleistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Die Apotheke erhält unter dem Strich 11 € pro Grippeschutzimpfung, die der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) nun auch mindestens für die Allgemeinärzte fordert. Für den Bundesvorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Dr. med. Markus Beier, ist und bleibt das Impfen eine „urärztliche Aufgabe“. „Apothekerinnen und Apotheker haben viele Kompetenzen – das Impfen gehört allerdings weiterhin nicht dazu! Sie sind hierfür nach wie vor schlichtweg nicht ausgebildet, beispielsweise für den Fall eines allergischen Schocks.“ Die Aushebelung der Arztbindung sei keine gute Nachricht für Patienten. Stattdessen fordert Dr. Beier ein Impfprogramm, bei dem ein Akteur ganz klar den Hut aufhat und die Verantwortung trägt. „Das kann nur die Hausärztin oder der Hausarzt sein.“ Dass die Apothekerinnen und Apotheker mehr Geld für die Impfungen erhalten sollen als Ärzte, sei inakzeptabel. Der DHÄV erwartet unverzüglich eine Anpassung der ärztlichen Impfvergütung. „Keine Impfung durch Ärztinnen und Ärzte sollte mit weniger als 11 € vergütet werden!“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung versteht die GKV-Welt nicht mehr. „Es ist erstaunlich, wofür der GKV-Spitzenverband bereit ist, sehr viel Geld auszugeben, das eigentlich (…) in die Weiterentwicklung der Strukturen der ambulanten ärztlichen Versorgung gehört“, stellt der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen fest. „Nur mit den Ärzten im Boot können flächendeckend, qualitativ hochwertig und schnell Impfungen stattfinden.“ Es könne nicht sein, dass Apothekern eine finanzielle Absicherung für zu viel bestellten Impfstoff eingeräumt werde, während Ärzten ein Regress der Kassen drohe (fgr).

Deutscher Hausärzteverband (DHÄV)


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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