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7. September 2021

Zöliakie

Das Chamäleon

Was tun, wenn der Bauch Probleme bereitet? Einfach eine frei verkäufliche Medizin schlucken oder den Symptomen auf den Grund gehen und das Gespräch mit dem Hausarzt, einem Internisten oder Gastroenterologen suchen? Jeder hundertste Mensch erkrankt an Zöliakie. Daher sollten länger anhaltende Bauchbeschwerden von einem Arzt oder einer Ärztin untersucht werden.

Viele Menschen kämpfen mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Blähungen, Erbrechen und Durchfällen, ohne die Ursache zu kennen. Apothekenpflichtige Medikamente gegen diese Symptome sind in der Fernsehwerbung allgegenwärtig. Täglich berichten im TV Schauspieler stellvertretend für Erkrankte über diese Leidensgeschichte und präsentieren Medikamente, die Abhilfe schaffen sollen, aber keine Klarheit über eine Diagnose voraussetzen.

Dr. Claudia Wiedemann, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V., rät zu einem Arztbesuch, an dessen Ende eine medizinische Diagnose stehen könnte, die Zöliakie lautet.

Die Wurzel des Übels: Gluten

Zöliakie gilt als das Chamäleon unter den Krankheiten, da Betroffene über unterschiedliche Symptome klagen. Neben den bereits genannten Magen- und Darmproblemen zählen Wachstumsstörungen, mangelnde Konzentration, Appetitlosigkeit, Mangelerscheinungen, Antriebslosigkeit, Migräne und Missmut zu den häufigsten Symptomen. Obwohl die Beschwerden oft unterschiedlich sind, der gesundheitliche Zustand des Dünndarms aller nicht diagnostizierten Zöliakie-Erkrankten ist vergleichbar: Die Darmzotten im Dünndarm flachen sich ab und können nur noch wenige Nährstoffe aufnehmen. Der Grund hierfür liegt im Eiweiß Gluten, das über die Nahrung aufgenommen wird und sich in Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer findet.

Konsequent glutenfreie Ernährung essenziell

Ein Medikament gegen Zöliakie gibt es nicht, nur eine lebenslange Ernährung ohne Gluten vermag zu helfen. Normale Backwaren sind damit für Zöliakie-Erkrankte tabu, doch Gluten findet sich auch in Lebensmitteln, in denen man es nicht erwarten würde, etwa in Marinaden, Eiscremes, Cornflakes, Gewürzmischungen, Kartoffelerzeugnissen wie Pommes frites, Gemüse- und Fruchtsäften, Trockenobst, Joghurt, Milch mit zugesetzten Aromen, Pudding, Analogkäse/Käseimitaten, Soßen, Kräutern, Knoblauch- und Gewürzbutter, Sojaprodukten, Süßstoffen, Brotaufstrichen, Schokoladen und Süßwaren.

Hilfe zur Selbsthilfe – mit Rat und Tat

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) ist ein Selbsthilfeverein für Menschen, die an Zöliakie leiden. Sie wurde 1974 gegründet und steht Zöliakie-Patienten mit Rat und Tat zur Seite. Vereinsmitgliedern wird ein breites Hilfs- und Informationspaket geboten, etwa eine ständig aktualisierte Aufstellung glutenfreier Lebensmittel und eine Sammlung glutenfreier Rezepte sowie die viermal im Jahr erscheinende Vereinszeitschrift. Eine Telefonhotline hilft bei Fragen aller Art; darüber hinaus gibt es telefonische ärztliche und Ernährungsberatungen. Informationsbroschüren, Backkurse und Seminare ergänzen das Angebot.

Vereinsmitglieder können sich Gesprächsgruppen anschließen, die über ganz Deutschland verteilt sind und von besonders geschulten Mitgliedern der DZG geleitet werden. Die Website des Vereins bietet sowohl Grundinformationen für Neudiagnostizierte und Nichtmitglieder als auch vertiefende Informationen im Mitgliederbereich. Eine App für Mitglieder, Facebook und Instagram runden das digitale Angebot der DZG ab.

„Eine Mitgliedschaft lohnt sich, sie hilft Neudiagnostizierten, sich schnell und gut in ihr neues Leben als Zöliakie-Betroffene einzufinden“, empfiehlt Dr. Wiedemann.

Vorgestellt von: Michael Mikolajczak
Pressesprecher & Leiter Team Öffentlichkeit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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