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13. Juni 2022

Seit 1. Mai 2022

Mehr Geld für DiGA

Im Rahmen des Digitale-Versorgung-Gesetzes (§33a SGB V) wurden Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) in den Leistungskatalog der GKV eingeführt. Bisher gab es nur eine Abrechnungsmöglichkeit für deren Verordnung und in einem Fall für die Verlaufskontrolle. Das hat sich nun zum 1. Mai geändert.

Am 1. August 2021 hatten KBV und GKV-Spitzenverband die Anlage 34 zum BMV-Ä beschlossen und damit eine Vergütung der ärztlichen Leistungen im Zusammenhang mit der Anwendung von DiGA in der GKV geregelt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde mit der Zertifizierung der eingereichten DiGA beauftragt (§139e SGBV). Deren Erstverordnung kann nach einem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (E-BA) seither – auch wenn sie zunächst nur vorläufig zur Erprobung in das BfArM-Verzeichnis aufgenommen wurden – nach der Gebührenordnungsposition (GOP) 01470 EBM (2,03 €) berechnet werden.

Jetzt geht es mit Pseudoziffern weiter

Mit einer Änderungsvereinbarung wurden nun zwei Anhänge in die Anlage 34 zum BMV-Ä aufgenommen. Im Anhang 1 sind vom BfArM die ärztlichen beziehungsweise psychotherapeutischen Leistungen für einige vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommene Anwendungen festgelegt worden, die nach einem Beschluss der Partner des BMV-Ä (KBV und Kassen) nach der Pseudonummer 86700 (7,12 €) berechnet werden können. Im EBM gibt es dafür zwar bereits die GOP 01471 und 01472, die aber nur für die DiGA „somnio“ und „Vivira“ zum Ansatz kommen können.

Hausärzte können das abrechnen

Die GOP 86700 kann von allen hausärztlich tätigen Gruppen berechnet werden. Sie ist nur einmal im Behandlungsfall und höchstens zweimal im Krankheitsfall berechnungsfähig. Je DiGA ist aber ein Mehrfachansatz im Behandlungsfall möglich. Eine Berechnung neben der Erstverordnung derselben DiGA nach GOP 01470 EBM ist hingegen ausgeschlossen. Beim Ansatz muss die Pharmazentralnummer (PZN) der DiGA angegeben werden, für die diese Verlaufskontrolle berechnet wurde.

Das sind die neuen DiGA, für die es dieses Zusatzhonorar gibt

Aktuell kann die Pseudonummer 86700 für folgende DiGA berechnet werden:

  • Zanadio (digitales Abnehmprogramm mit einem ganzheitlichen Therapieansatz)

  • Invirto – Die Therapie gegen Angst

  • Cankado Pro-React Onco (App für Brustkrebspatientinnen)

  • Mawendo (Bewegungstherapie)

  • Oviva Direkt für Adipositas

  • companion patella (Therapieprogramm bei Knieschmerzen)

Da einige dieser DiGA die Daten und Arztberichte nur über die App oder als PDF-Dokument zur Verfügung stellen und keinen gesonderten Arztzugang anbieten, ist die Berechnung der Nr. 86700 – im Gegensatz zur GOP 01471 EBM – nicht im Rahmen einer Videosprechstunde möglich.

Jetzt gibt es auch DiGA für Kinder und Jugendliche

Die GOP 01470 EBM konnte bisher für die Erstverordnung einer DiGA von Kinderärzten nicht berechnet werden, da es zunächst keine dauerhaft aufgenommene DiGA für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gab. Das DiGA-Verzeichnis wurde nun aber vorläufig um die drei DiGA Rehappy (Schlaganfall-App), Mawendo und companion patella (siehe oben) für die Altersgruppe Jugendliche (12 – 17 Jahre) ergänzt. Damit Pädiater Patienten dieser Altersgruppe eine dieser drei DiGA erstmalig verordnen können, wurde eine weitere Pseudonummer 86701 (2,00 €) beschlossen. Auch sie ist wie die GOP 01470 EBM allerdings nur bis zum 31.12.2022 gültig und wird dann in die Versichertenpauschale eingefügt.

Warum geht man diesen Umweg über Pseudoziffern?

Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz wurden die DiGA als neuer Leistungsbereich in die vertragsärztliche Versorgung eingeführt. Bei der Festlegung der Vergütung der vom BfArM bestimmten ärztlichen Leistungen im Zusammenhang mit einer DiGA ist zu unterscheiden, ob die DiGA dauerhaft oder vorläufig zur Erprobung in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurde. Für ärztliche Leistungen dauerhaft aufgenommener DiGA muss der EBM angepasst werden (§ 87 Abs. 5c Satz 1 SGB V). Darüber entscheidet der Bewertungsausschuss – und der arbeitet sehr langsam. Die hier nun beschlossene Vergütung der ärztlichen Leistungen im Zusammenhang mit vorläufig aufgenommenen DiGA haben hingegen die Partner des BMV-Ä (§ 87 Abs. 5c Satz 2 SGB V) vereinbart. Deshalb konnten – wie im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie – nur Pseudonummern vereinbart werden, die nicht Bestandteil des EBM und deshalb zeitlich gesehen unverbindlich sind.

Autor
Dr. med. Gerd W. Zimmermann
Facharzt für Allgemeinmedizin, Hofheim am Taunus


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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