© Thorben Brückner

13. Mai 2022

Online-Veranstaltung

Festival der Allgemeinmedizin

„Früher war mehr Lametta“, heißt es immer wieder mit Augenzwinkern, wenn man auf die guten alten Zeiten zurückblickt. Wir Hausärztinnen und Hausärzte dürfen aber nun vorausblicken mit mehr Selbstbewusstsein, uns selbst feiern und es zeigen, wie beispielsweise beim virtuellen „Festival der Allgemeinmedizin“.

Auch wenn in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Virologen, Intensivmediziner und andere Spezialisten medial viel Raum einnahmen, so ist doch dem Großteil der Bevölkerung letztlich klar, dass die reale medizinische Versorgung vor Ort durch Hausärztinnen und Hausärzte geschieht.

Der Landarzt und Berufstheoretiker Robert N. Braun schrieb schon 1982 (natürlich auch die Allgemeinärztinnen mitgemeint): „Der Allgemeinarzt hat überlebt, weil ein enormer Bedarf an einem raschen medizinischen Rat besteht, der durch die anderen ärztlichen Sparten nirgendwo auch nur annähernd gedeckt werden konnte. – Dass die Allgemeinärzte es schafften und schaffen, ihre Funktionen zu erfüllen, bedeutet möglicherweise die größte schöpferische Leistung, die es in der Heilkunde gibt.“

40 Jahre später hat sich da nichts geändert, im Gegenteil: der Durst nach „medizinischem Rat“ ist noch viel größer geworden, erst recht bedingt durch den Dschungel an Informationen im Internet. Verunsicherung der Patienten, medizinische Überversorgung, Kostenexplosion – es liegt an der Hausärzteschaft zu zeigen, dass wir nicht nur die „Lotsen“ sind. Wir stehen ebenso auf der Brücke wie im Maschinenraum, behalten den Überblick auf dem höchsten Mast stehend.

Warum es sich lohnt, Hausarzt zu werden

Natürlich geht es auch darum, dem Nachwuchs zu zeigen, dass es sich lohnt, in die Hausärztliche Versorgung zu gehen, ob nun als Internistin, Quereinsteiger oder eben gern direkt über den Weg Fachärztin oder Facharzt für Allgemeinmedizin mit breiter Ausbildung.

Ende April gab es daher die virtuelle Veranstaltung „Festival der Allgemeinmedizin“. Angesprochen waren primär Medizinstudentinnen und -studenten, die online für zwei Stunden eine Fülle an Vorträgen und Diskussionsrunden für Einzelfragen geboten bekamen, um sich über das hausärztliche Dasein zu informieren.

Dabei wurde der hausärztliche Alltag mit allen Facetten vorgestellt, mit Details aus der Sprechstunde und verschiedensten Beratungsproblemen, aber auch auf Wochenarbeitsstundenzahl und Einkommen wurde detailliert eingegangen. Es wurde nichts beschönigt, hingegen versucht mit Daten und Zahlen die Aussagen zu belegen, um Vorurteilen zu begegnen. Zugleich zeigte einer der Moderatoren seinen eigenen Terminkalender mit Patientenversorgung, Praxisorganisation und Privatleben, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkret wissen, was auf sie zukommt.

Dass unsere berufliche Tätigkeit nicht alles ist, machten alle sechs Moderatorinnen und Moderatoren noch einmal deutlich, indem Sie ihre eigene Biographie vorstellten und über Details aus ihrem Werdegang und Privatleben plauderten. Zugleich zeigten die sechs – die routiniert durch den Abend führten als würde sie es schon seit vielen Jahren machen – dass es noch mehr an Engagement zu entdecken gibt. Sind sie doch alle in der DEGAM oder beim Hausärzteverband aktiv und erklärten, wie dies mit dem Beruf und Privatleben letztlich vereinbar ist.

Direkter Austausch in anregenden Diskussionsrunden

Im zweiten Teil wurden Diskussionsgruppen geöffnet, so dass sich in kleineren Gruppen die Teilnehmer mit Fragen direkt an die einzelnen Moderatorinnen und Moderatoren wenden konnten. Mit viel Geduld, voller Offenheit haben sie hoffentlich für den Weg in die Allgemeinmedizin und hausärztliche Tätigkeit überzeugen können.

Wieviel Zeit, Energie und Arbeit die Vorbereitung und Durchführung verbraucht haben mag ist nur zu schätzen, mein Dank gilt allen Beteiligten hinter der Organisation und besonders den sechs vor der Kamera (in alphabetischer Reihenfolge): Ruben Bernau, Sandra Blumenthal, Jana Husemann, Marco Roos, Simon Schwill, Kahina Toutaoui – euch sei gedankt. Macht weiter. Lasst euch feiern wie ihr uns Hausärztinnen und Hausärzte gefeiert habt.

Autor:
Dr. med. Torben Brückner
Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Palliativmedizin, Notfallmedizin,
Schwalbach am Taunus


Bisher erschienen

Sämtliche Beiträge der Serie „Praxisblick“ von Dr. med. Torben ­Brückner:
www.allgemeinarzt.digital/praxisalltag/praxisblick


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
Neueste Artikel
Ewiger Error

Leid ohne Freud mit dem Konnektor

Seit ein paar Jahren steht in unserer Praxis ein schicker Elektrokasten, ungefähr so klein wie zwei Taschenbücher. Mit großem Aufwand wurde er damals angeschlossen. Statt Nutzen hat er ...

Kein Humbug

Hausärztliche Sorgen zum Jahresende

Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende zu, vor Quartalsabschluss noch einmal ein kurzes Innehalten – besinnlich –, um zurück- und vorauszuschauen.

Was kostet die Welt?

Praxisbewertung für „Aussteiger“

Meist montagabends kommt er gerne, dieser Gedanke. So wie ein imaginärer kleiner Hippokrates auf der Schulter: „Wozu eigentlich all der Stress? Verkauf doch den Laden ...