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1. Juni 2022

Technische Hilfsmittel beim Hausbesuch

Hausbesuch: Handy sinnvoll einsetzen

Hausarzt und Hausbesuch haben nicht zufällig den gleichen Wortstamm – sie gehören untrennbar zusammen – auch wenn der Hausbesuch wesentlich belastender als die reguläre Sprechstunde ist: Alle diagnostischen und therapeutischen Handlungen müssen fast immer allein durchgeführt werden, weshalb die notwendigen und leider auch die „bürokratischen“ Hilfsmittel mitzuführen sind. Ein weiteres wertvolles Hilfsmittel, das jeder Arzt hat, ist das Mobiltelefon.

Erfahrene Hausärzte gehen fast immer zu einer „geteilten“ Hausbesuchstasche über: eine „normale“ Tasche, in der die meistgebrauchten diagnostischen und therapeutischen Gerätschaften untergebracht sind, eine „Notfalltasche“ mit der Ausrüstung, die zur Versorgung von akuten Notfällen erforderlich ist, und eine „kleine“ Tasche, die all das beinhaltet, was beim „aktiven“ Hausbesuch, dem Betreuungsbesuch, erforderlich ist. Daneben sind Formulare, Krankenakte und ggf. ein mobiler Drucker mitzuführen – alles in allem ein recht umfangreiches Gepäck, was im PKW verstaut und dann zum Patienten getragen werden muss. Da ist kein Platz für Nachschlagewerke, wie sie in der Praxis vorrätig gehalten werden. Hier kann ein Handy oder Tablet wertvolle Unterstützung leisten. Dabei immer an das technische Zubehör (Tab. 1) denken!

Dienstlich und privat trennen

Das Angebot an Apps für Handys und Tablets ist unüberschaubar geworden. Allerdings sind einige dabei, die die ärztliche Tätigkeit beim Hausbesuch wesentlich erleichtern können. Es erscheint deshalb sinnvoll, sich näher damit zu befassen.

Das Handy des Hausarztes beim Hausbesuch

kann als Telefon genutzt werden, aber vermag noch wesentlich mehr! Sinnvoll eingesetzt wird es zum wertvollen Hilfsmittel und erleichtert die Arbeit wesentlich. Allerdings ist es im Interesse der Übersichtlichkeit sinnvoll („Weniger ist mehr!“), „privat“ und „dienstlich“ zu trennen; neben dem privaten ist ein Handy „nur für den Dienstgebrauch“ empfehlenswert, auf dem private Apps und Einträge nichts zu suchen haben.

Sind auf dem Handy viele private Apps geladen, kann die Übersicht verloren gehen, was besonders bei stressigen Situationen im Hausbesuch problematisch werden kann. Daher ist es überlegenswert, für den Dienstgebrauch ein separates Handy zu verwenden, das nur mit solchen Apps bestückt ist, die beim Hausbesuch benötigt werden (könnten). Bei diesem Gerät sollte man besser keine Zweitkarte mit gleicher Rufnummer einsetzen. Vorteilhafter ist ein neuer Vertrag mit anderer Rufnummer, damit „dienstliche“ Anrufe, wie sie zum Beispiel im Urlaub nicht auszuschließen sind und mit denen dem Anrufer in der Regel nicht geholfen werden kann, vermieden werden.

Auch bei Apps gilt: Weniger ist mehr!

Bei dem „Hausbesuchs-Handy“ sollte man zunächst alle nicht für die ärztliche Tätigkeit erforderlichen Apps löschen – oder falls das nicht möglich ist, sie in Ordner verschieben, sodass nur noch die wichtigen Apps auf dem Bildschirm zu sehen sind. Dies sind neben „Notizen“, Taschenrechner und dem Kalender für die Terminplanung folgende Anwendungen:

  • Foto-App für Befunddokumentation und Hinterlegen therapeutischer Merkzettel (z.B. optimale Antibiotika für die Behandlung von Infektionen, ehe ein Antibiogramm vorliegt, oder Maßnahmen beim Verdacht auf einen Herzinfarkt)

  • App für Videoanrufe/Videokonferenzen

  • Rekorder zum Aufzeichnen von Befunden u.Ä.

Tabelle 2 listet einige praxisrelevante Apps auf, die meiner Meinung nach geeignete Hilfsmittel sind und auf keinem „Hausbesuchs-Handy“ fehlen sollten (Abb.1–3). Daneben bleibt zu überlegen, ob Stauwarnungen oder Spritpreise nützlich sind, wobei diese genau wie eine Wetter-App im Interesse der Übersichtlichkeit in einem gemeinsamen Ordner abgelegt werden sollten.

© alle Fotos Schnering

Besondere Aufmerksamkeit erfordern „Telefonbuch“ und „Kontakte“: Es sollten nur solche gespeichert werden, die häufiger selbst angerufen werden und die im Sinne des Patienten erforderlich werden, zum Beispiel die zuständigen Krankenhausaufnahmen, Kollegen, mit denen das weitere Vorgehen abgestimmt werden könnte, Amtsarzt, Polizeirevier oder Krankentransport. Liefer- und Bereitschaftsapotheken findet man einfacher in der „Apotheken-App“. Die Nummern der Pflegedienste sind auf der beim Patienten liegenden Dokumentation festgehalten. Inwieweit Bestattungsunternehmen aufgenommen werden, muss jeder selbst entscheiden: Natürlich kann dies bei plötzlichen Todesfällen für die Angehörigen hilfreich sein, doch Vorsicht: Es könnte den Anschein einer Kooperationsbeziehung erwecken! Für besonders wichtige Verbindungen kann ein eigenes Icon auf der Startseite abgelegt werden.

Smartwatch und Handy: ein gutes Team

Das Handy kann auch für die Notfallüberwachung genutzt werden, indem man es mit einer „Fitness-Uhr“ („Smartwatch“) kombiniert. Diese kann eine Vielzahl von Vitalwerten erfassen, im besten Fall:

  • Pulsfrequenz

  • Körpertemperatur

  • Atemfrequenz

  • Blutdruck

  • Sauerstoffsättigung

  • Ein-Kanal-EKG

© Schnering

Abb. 4: Smartwatch-Handy

© Schnering

Abb. 5: Start-Ansicht der Health-App

Da sich diese Uhren mittels Bluetooth über eine dazugehörige App mit dem Handy koppeln lassen (Abb. 4,5), können die Werte auf dem Handybildschirm in ausreichender Größe abgelesen und in ihrem Verlauf abgespeichert werden. So konnte ich beispielsweise die Verdachtsdiagnose „Schlafapnoe“ bei einem Familienmitglied stellen, die dann durch ein Schlaflabor bestätigt wurde.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Hersteller (sicherlich aus Haftungsgründen) ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Geräte nicht für die medizinische Diagnostik geeignet sind, können sie für eine Verlaufskontrolle in Notfällen eine große Hilfe sein. Ihre Messwerte sind unter Umständen nicht so genau wie die mit Medizingeräten ermittelten, können jedoch helfen, eine optimale Ersttherapie einzuleiten, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist das Langzeit-Screening der Vitalwerte. Da die gemessenen Werte (Atemfrequenz, SpO2, Blutdruck, Puls und Körpertemperatur) auf dem Handy gespeichert werden, lässt sich der Verlauf über mehrere Tage registrieren – und erstreckt sich nicht nur über 24 Stunden wie bei Langzeit-RR und -EKG. Weil das Gerät gleichzeitig die körperlichen Aktivitäten erfasst, sind zudem die Auswirkungen von Alltagsbelastungen auf den Körper objektivierbar.

Autor
Dr. med. Holger Schnering
FA für Allgemeinmedizin, Chiropraktiker
Hoyerswerda

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert.

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