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2. Mai 2022

Kostengünstige Absicherung

Freiwillig unfallversichert bei der BGW

Selbstständige Ärzte können sich bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) freiwillig gegen die Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichern. Auch die Folgen einer beruflich bedingten SARS-CoV-2-Infektion können dadurch abgefedert werden. „Der Allgemeinarzt“ fasst zusammen, was im Einzelnen versichert ist und wie hoch die Kosten dafür sind.

Entscheidend bei der Frage, ob ein Arzt pflichtversichert ist oder nicht, ist die Selbstständigkeit“, erklärt Celine Böhm aus dem Bereich Unternehmerbetreuung der BGW. „Der Gesetzgeber hat im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege einen besonderen Schutzaspekt gesehen und daher die darin tätigen Personen nach § 2 Abs.1 Nr. 9 SGB VII unter gesetzlichen Versicherungsschutz gestellt. Davon befreit sind unter anderem selbstständig tätige Ärzte. Das heißt, es kommt auf die Selbstständigkeit an, nicht darauf, ob der Arzt niedergelassen ist“, so Böhm. Arbeitet ein niedergelassener Arzt angestellt, ist er pflichtversichert, wenn er aber selbstständig ist, kann er sich bei der BGW freiwillig versichern. Anmelden bei der BGW muss sich allerdings jeder selbstständige Arzt, die BGW stellt dann fest, ob eine Versicherungspflicht besteht oder nicht, und unterbreitet gegebenenfalls das Angebot einer freiwilligen Versicherung. Dieses Angebot anzunehmen ist zu empfehlen, denn die Kosten sind niedrig: „Das liegt tatsächlich daran, dass wir nach einem gesetzlichen Auftrag handeln und mit den Beiträgen, die wir jedes Jahr neu ermitteln, keine Gewinne machen dürfen. Wir dürfen nur unsere Kosten decken. Andere Versicherer sind hingegen grundsätzlich gewinnorientiert“, so Böhm. Ein weiteres Argument für die Versicherung: Ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit können schnell dazu führen, dass die Praxis längere Zeit geschlossen bleiben muss. Im schlimmsten Fall gefährdet eine Berufskrankheit oder ein Unfall die wirtschaftliche Existenz.

Was ist versichert?

Die Unfallversicherung der BGW tritt bei Arbeits- und Wegeunfällen und Berufskrankheiten ein. Welche Krankheiten als Berufserkrankung für Ärzte anerkannt sind und in welchen Arbeitsfeldern die Krankheit erworben worden sein muss, ist in der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung (BKV) zusammengefasst. Beispielsweise gelten Infektionskrankheiten als Berufskrankheit, „wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“. Darunter fällt etwa, wenn ein Arzt sich während der Sprechstunde (Gesundheitsdienst) mit einem Erreger infiziert und dadurch eine erhebliche Verminderung seiner Erwerbsfähigkeit erfährt.

Von einem Arbeits- oder Wegeunfall spricht man hingegen, wenn der Versicherte während der Arbeitszeit oder während eines Arbeitswegs einen Unfall erleidet. Steckt sich ein Arzt beispielsweise während einer beruflich veranlassten Bahnfahrt mit SARS-CoV-2 an, ist das in der Regel keine Berufskrankheit, weil die Krankheit nicht in einem der oben genannten Arbeitsfelder erworben wurde, dennoch kann es sich im Einzelfall um einen Arbeitsunfall handeln, weil der Arzt beruflich unterwegs war.

Welche Leistungen werden gewährt?

Nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit ist es das Ziel der Versicherung, die Gesundheit mit allen geeigneten Mitteln wiederherzustellen, damit der Versicherte wieder arbeiten kann. Erst wenn alle Möglichkeiten der Rehabilitation ausgeschöpft sind und die Erwerbsfähigkeit trotzdem noch gemindert ist, wird eine Rente gezahlt.

Im Bedarfsfall gewährt die BGW-Versicherung auch häusliche Krankenpflege. Kann der Versicherte trotz all dieser Maßnahmen nicht wieder als Arzt arbeiten, ist die BGW um eine anderweitige Wiedereingliederung ins Berufsleben bemüht und berücksichtigt dabei seine Eignung, Neigung und bisherige Tätigkeit. Auch eine Umschulung kann finanziert werden.

KeyPoints

Die gesetzliche Unfallversicherung tritt ein, wenn ...
  • ... die zu einem Unfall oder einer Berufskrankheit führende Tätigkeit in einem sachlichen Zusammenhang mit dem Beschäftigungsverhältnis stand.

  • ... der Schaden nicht schon zuvor bestand und während der versicherten Tätigkeit nur akut wurde.

  • ... die Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt ist und in einem anerkannten Arbeitsfeld erworben wurde.

Wie hoch eine mögliche Entschädigung ist, hängt von der Versicherungssumme ab, die der Versicherte selbst zwischen 24.000 und 96.000 € festlegen kann. Celine Böhm sagt dazu: „Man muss die Versicherungssumme zwischen den Grenzen der Mindest- und Höchstversicherungssumme wählen. Der Arzt kann sich bei der Wahl der Versicherungssumme immer an seinen jährlichen Bruttoeinnahmen orientieren oder daran, was er sich als Selbstständiger an Gehalt auszahlt.“ Wer seinen üblichen Lebensstandard absichern möchte, dem empfiehlt die BGW dabei eine Orientierung am Jahreseinkommen.

„Wir haben auf unseren Anträgen zur freiwilligen Versicherung Rechenbeispiele, welche Geldleistungen man bei welcher Versicherungssumme zu erwarten hat“, erläutert Böhm: Bei einer Versicherungssumme von 24.000 € zahlt die BGW bei ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit 53,33 € Verletztengeld täglich und bei 100%iger Minderung der Erwerbsfähigkeit eine Rente von 1.333,33 € monatlich. Bei der maximalen Versicherungssumme sind es 213,33 € täglich und 5.333,33 € monatlich. Stirbt ein Arzt durch ein versichertes Ereignis, sichert die Berufsgenossenschaft die Hinterbliebenen durch Renten, Sterbegeld, Erstattung von Überführungskosten oder durch Beihilfen ab. Möchte man höhere Leistungen beziehen, besteht die Möglichkeit, eine weitere Versicherung bei einem privaten Versicherer abzuschließen. Dann muss man allerdings sehr genau darauf achten, dass die Leistungen aus dem BGW-Vertrag nicht angerechnet werden.

Wie hoch sind die Beiträge?

„Der Beitrag wird von uns immer Ende April festgesetzt, die Berechnung für dieses Jahr läuft schon“, er wird jedes Jahr rückwirkend für das vorangegangene Jahr berechnet und erhoben, dabei erwirtschaftet die BGW keinen Gewinn.

Der konkrete Einzelbeitrag errechnet sich nach folgender Formel: Beitrag = (Versicherungssumme x Gefahrklasse x Beitragsfuß)/1.000

Die aktuelle Gefahrklasse für Ärzte beträgt 1,97, der aktuelle Beitragsfuß beträgt 2,05.

Die Beiträge für 2021, die 2022 erhoben werden, liegen zwischen 96,92 € und 387,70 € und können als Betriebsausgabe angesetzt werden.

Literaturtipp
zum Thema „Von unverzichtbar bis ,nice to have‘: Welche Versicherungen abschließen?“

Bericht: Roland Müller-Waldeck

Weiterführende Informationen

Mehr über die freiwillige Unfallversicherung erfahren Sie bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW): Web: www.bgw-online.de ; Tel.: (040) 202 07-11 90

www.dguv.de , www.bgw-online.de , BGW Themen. Freiwillige Unfallversicherung für Ärztinnen und Ärzte. Faltblatt der BGW, Mitteilungen der Pressestelle der BGW


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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