© Carolin Jacklin

11. Juni 2021

Berufsständische Versorgungswerke

Alterssicherung in eigener Verantwortung

Auch wenn sich unsere Lebenserwartung im Vergleich zur Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts heute fast verdoppelt hat und viele ältere Menschen diese Zeit bei guter Gesundheit erleben können, so haben sich die verschiedenen Phasen menschlichen Lebens über die Jahrhunderte doch nicht wesentlich verändert.

Denn noch immer kommt, früher oder später, der Zeitpunkt, mit dem die körperliche Leistungsfähigkeit nachlässt. Da ist jeder gut beraten, sich rechtzeitig die Frage nach der eigenen Altersabsicherung zu stellen und sich aktiv darauf vorzubereiten.

Die berufsständischen Versorgungswerke haben als Einrichtungen der ersten Säule eine zentrale Funktion für die Absicherung von Ärztinnen und Ärzten im Alter, bei Berufsunfähigkeit und für Hinterbliebene im Todesfall. So kann unser „Versorgungsmodell“, das traditionell die Bedürfnisse des Berufsstandes in den Mittelpunkt stellt, durchaus als Vorzeigemodell bezeichnet werden.

Die Basis bildet das Subsidiaritätsprinzip, das Selbstverantwortung vor staatliches Handeln stellt – und das heute erkennbar wieder an Bedeutung gewinnt, wenn man die Gesamtverfassung der Staatsfinanzen betrachtet. Mit der Selbstverwaltung als Organisationsform bilden wir einen Gegenpol zu häufig wirklichkeitsfremden Entscheidungen anonymer Vermögensverwalter. Die berufsständische Altersversorgung bietet eine leistungsstarke Absicherung zu einem günstigen Preis, da weder Provisionen noch Dividenden finanziert werden müssen. Bürokratie wird minimiert und Effizienz optimiert, womit niedrige Verwaltungskosten erreicht werden. Und die Mitglieder der Selbstverwaltung stellen sicher, dass die aktuellen Bedürfnisse des Berufsstandes zeitnah bekannt und ggf. berücksichtigt werden können.

Ein funktionierendes Alterssicherungssystem ist ein komplexes Gebilde mit vielen Stellgrößen, die obendrein auch noch vom Lauf der Zeit beeinflusst werden. Hier eine verlässliche und generationengerechte Perspektive zu schaffen, ist eine besondere Herausforderung. Dass uns dies in der Vergangenheit gelungen ist, zeigt die annähernd 100-jährige Erfolgsgeschichte der Bayerischen Ärzteversorgung. Dennoch dürfen wir in unserem Wirken nicht nachlassen. Denn bereits Alfred Herrhausen wies uns mahnend darauf hin, dass wer heute nicht besser wird, morgen nicht mehr gut ist. Damit ist der Arbeitsauftrag an die ärztlichen Versorgungswerke treffend beschrieben.

Autor:
Dr. med. Lothar Wittek
Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Bayerischen Ärzteversorgung

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