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9. September 2021

Rheumatoide Arthritis

Eine Krankheit, die nicht in mein Lebensprogramm passt

Unter der Rubrik „Der Arzt als Patient“ berichten Hausärztinnen und Hausärzte aus eigener Betroffenheit ihre Erfahrungen. Als Patienten suchen sie Rat und Hilfe bei ihren Kollegen, Hausärzte häufig bei Spezialisten. In der Regel ist der Wechsel der Perspektive vom Behandler zum Behandelten eine neue Erfahrung. Immer wieder stellen sich dabei ähnliche Fragen: Bin ich richtig krank oder fühle ich mich nur krank? Ist die Diagnose richtig? Die vorgeschlagene Maßnahme das Optimum? Wie ist die Prognose? Und wie ist die Kommunikation mit dem Kollegen gelaufen? Wie bin ich mit der Krankheit umgegangen, und was hat sie aus mir gemacht?

Vor zehn Jahren bekam ich die Diagnose mitgeteilt: initiale rheumatoide Arthritis bei fehlendem serologischem Nachweis. Ich hatte neben Schwellungen der Fußgelenke II und III rechts auch Schmerzen an den Füßen, dabei morgens allgemeine muskuläre Steifigkeit.

Abgeschlagenheit und Nachtschweiß bemerkte ich schon seit Monaten. Freilich maß ich diesen Symptomen keinen Krankheitswert bei nach dem Motto: „Was soll mir denn schon fehlen?“ Eine befreundete Kollegin sagte damals zu mir: „An dieser Krankheit stirbst du nicht. Du musst sie halt aushalten!“

Ich ging zum Rheumatologen, der mich mit Methotrexattabletten in steigender Dosierung bis 25mg, dazu Prednisolon ausschleichend von 20mg bis 5mg behandelte. Begleitend verschrieb er mir Vitamin D und Folsäure.

Als die Symptome aber zunahmen (linke Hand, Mittelfuß rechts), bekam ich Methotrexat 25mg subkutan. Das half zu wenig, jetzt kam Leflunomid 20mg dazu. Ich vertrug dieses Medikament nicht, bekam dadurch Oberbauchschmerzen und die Transaminasen stiegen in pathologische Bereiche, was zuvor nicht der Fall war.

Hellhörig machte mich die Bemerkung: „Das spüren Sie jetzt gleich“ und die laut Beipackzettel unübliche Kombination der Medikamente. Unverzüglich setzte ich Leflunomid ab und rasch besserten sich meine Leberwerte. Nun schlug der Rheumatologe zusätzlich ein Biologikum vor. Er wolle damit eine Vollremission erreichen.

In einer Fortbildungsveranstaltung über Immunologika machte ich mich schlau über die Indikation für diese neue Stoffgruppe und erfuhr, dass damit schwerste Krankheitszustände behandelt werden. „So krank bin ich doch noch nicht“, dachte ich mir und erklärte meinem Rheumatologen, eine Zweitmeinung einholen zu wollen. Darüber war mein Behandler gekränkt und es kam zu einem Arztwechsel.

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Wegen fortschreitenden Befalls beider Hände und Füße versuchte mein Rheumatologe Etanercept (Enbrel®), ein wirksames Medikament zweiter Wahl bei therapierefraktärer rheumatoider Arthritis. Auch nach fünf Wochen spürte ich keine Besserung, im Gegenteil, ich war abgeschlagen und bekam eine Peribronchitis. Auch diese Zusatztherapie brach ich ab. Die zusätzlich nötigen Schmerzmittel verursachten immer wieder heftige gastritische Beschwerden.

Eine Fastenkur sollte da Besserung bringen. Die Anregung dazu erhielt ich durch eine Fernsehsendung aus der Berliner Charité: „Fasten unterstützt die Schmerzbehandlung“.

Und tatsächlich, ich habe 5kg Gewicht verloren, wiege jetzt 55kg bei 160cm und ertrage bei deutlich sichtbaren rheumatischen Veränderungen an Händen und Füßen ohne jedes Schmerzmittel die Alltagsanforderungen. Natürlich hat sich die Basistherapie mit 25mg Methotrexat s.c., dazu 2,5mg Prednisolon, Vitamin D und Folsäure über die Jahre hinweg als notwendige Dauertherapie erwiesen. Jetzt bin ich dankbar, ohne Schmerzmittel meine Krankheit aushalten zu können, dank Fastenkur.

Autorin:
Dr. med. A.Z.
Fachärztin für Allgemeinmedizin
Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt.


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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