© Bernadette Olderdissen

16. November 2022

Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht

Märchenzauber im Höllental

Er ist Deutschlands wohl romantischster Weihnachtsmarkt, vor allem dank seines spektakulären Standorts – zu Füßen des 36 Meter hohen Höllental-viadukts im Hochschwarzwald, 18 Kilometer südöstlich von Freiburg.

© Bernadette Olderdissen

Das Vidaukt über die Ravennaschlucht

Es duftet nach Lagerfeuer, als die Fackeln entzündet sind und viele Augenpaare zum Strahlen bringen. Schnell sind kalte Füße und Hände vergessen, als es vom Kulturhaus in dem etwa 3.000-Seelen-Dorf Hinterzarten losgeht – mit Laternen neben den traditionellen Fackeln, sicher zur großen Freude der kleinsten Besucher. Die gut zwei Kilometer bis zur Ravennaschlucht verfliegen, während die Wanderführerin immer wieder innehält, um ein Weihnachtslied anzustimmen oder eine Geschichte zu erzählen. Jedes Mal breitet sich ein Lächeln auf den Gesichtern der Fackel- oder Laternenträger aus, während sie bei den vertrauten Klängen den Alltag hinter sich lassen. Dann wieder bewegt sich die kleine Gruppe schweigend durch den Wald des Löffeltals, das Schwarz der Nacht erhellt von kleinen Flammen, die den Weg weisen.

Bei Ankunft vor einem großen Schild, das den Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht ankündigt, ist die Stimmung besinnlich geworden. Manch einer, der zu Beginn noch möglichst schnell bei den Buden ankommen wollte, gibt seine Laterne nun fast zögerlich zurück. Doch im Gegenzug gibt es „Schlemmer-Taler“, die an fünf ausgewählten Ständen des Weihnachtsmarktes einlösbar sind – gegen eine Probierportion Schlemmereien aus der Gegend.

Ankommen im Märchenland

Auch einem Weihnachts- oder Weihnachtsmarktmuffel geht leicht das Herz auf, während er sich dem schon aus der Ferne in warmen Grün,- Blau- oder Rottönen erstrahlenden Höllentalviadukt, einem insgesamt 224 Meter langen Eisenbahnviadukt, nähert (angestrahlt durch LED-Technologie, um den Stromverbrauch gering zu halten). Dutzende von kleinen, beleuchteten Weihnachtsbäumen zieren den Weg zum Viadukt, unter dem wie bei einer großartigen Bühnenschau Rauch in den Himmel aufsteigt. Doch was mit nur wenig Fantasie auch die Kulisse für eine Harry-Potter-Filmszene sein könnte, ist tatsächlich ein Weihnachtsmarkt. Gut 40 liebevoll mit Tannenzweigen verzierte Holzstände kuscheln sich unter und rund um das mächtige Viadukt aneinander – und rund um einen riesigen, bis an die Spitze beleuchteten Weihnachtsbaum.

© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Weihnachtsmarkt im Höllental

Rauch steigt aus Schornsteinen auf, in manchen Hütten brutzelt und kocht es in Töpfen und Pfannen. Glühweinduft vermischt sich mit dem Versprechen nach würzigem Speck, frisch gebackenem Brot, Flammkuchen und gegrillten Fladenrollen. Wem kalt wird, der wärmt sich zwischendurch an einer Feuerstelle und vergisst das Treiben auf dem Markt, während er in die züngelnden Flammen schaut – oder sich ganz dem Genuss eines ‚Nikolausis‘ hingibt. Denn in der Ravennaschlucht gibt es auch flüssige Nikoläuse – als heißen Bratapfellikör mit Sahnehäubchen und einer Prise Zimt.

Auf den Spuren von Maria und Josef

© Bernadette Olderdissen

Weihnachtlicher Flair mit kleinen Buden

Der Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht steht nicht nur für kulinarisches Verwöhntwerden und originelle Schwarzwald-Weihnachtsgeschenke. Anschaulich für Klein und Groß beschreibt der Hochschwarzwälder Krippenpfad von Holzbildhauer Simon Stiegeler, bekannt für seine eigene Interpretation der Schwarzwälder Holzbildhauerei, die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel: Stellt die erste Station mit einem holzgeschnitzten Engel dar, wie dieser Maria erschien, erzählt der nächste Punkt mit hölzerner Maria, Josef und einem Holz-Esel von dem beschwerlichen Weg nach Bethlehem. Vorbei an den Hirten und dem Engel, der diesen erschien, machen sich Marktbesucher mit den Heiligen Drei Königen auf die Reise zum Stall. An dieser letzten Station ist der Sohn Gottes geboren. Stiegeler hat die Szene liebevoll dargestellt in Form eines hölzernen Jesuskindes in der Krippe, bewacht von Maria, zwei Schafen und einem Hirten.

Sollte dem Nachwuchs der Krippenpfad zu langweilig gewesen sein, können sie stattdessen auf dem kinderfreundlichen, verwunschenen Elfenpfad direkt neben dem Postamt wandeln, mit kunterbunt beleuchteten Holzgnomen und anderen Märchenfiguren.

© Bernadette Olderdissen

Krippenpfad

Post an den Weihnachtsmann

Welches Kind träumt nicht davon, selbst einen Brief oder eine Postkarte voller Weihnachtswünsche an den Weihnachtsmann zu verschicken? Um diesen Traum wahrwerden zu lassen, eröffnet für die ganz Kleinen jedes Wochenende zwischen 15 und 18 Uhr das Weihnachts-Postamt. Dort darf jedes Kind einen Wunsch auf eine Postkarte schreiben und direkt an den Weihnachtsmann schicken. Das Beste: Aus allen Karten werden am Ende vier ausgelost und die Wünsche erfüllt!

Aus der Höhe

Wem es zwischen den Buden zu eng und voll wird, der kann das Spektakel auch aus der Höhe genießen – vom Aussichtshügel samt Pavillon. Nach einem kurzen Spaziergang ist der Pavillon erreicht, doch den besten Weitblick über die Budendächer und das Lichtermeer bietet der Weg selbst. Noch immer erklingen aus der Ferne Weihnachtslieder, noch immer wechseln die Farben des Viadukts im Sekundentakt. Doch statt dem Wohlgeruch der vielen Kalorienbomben sind es nach wenigen Höhenmetern Tannenduft und ein Hauch von frischer Bergluft, die in die Lungen strömen.

Und die daran erinnern, dass der einmalige Weihnachtsmarkt nicht nur unterhalb eines imposanten Viadukts liegt, sondern auch in einem postkartentauglichen Tal von etwa neun Kilometern Länge. Wo sich schon bald an die 600 Meter hohe Felswände erheben und wo einst französische Soldaten mehrere enge Pässe überwinden mussten. Würden sie heute über das bunte Schauspiel zu ihren Füßen schauen, auf die Rauchschwaden, die statt mit Kampf und Krieg nur noch mit leckerem Essen und Wärme zu tun haben, würden sie das „Val d’enfer“, das Höllental, sicher schnell umtaufen. Vielleicht in das „Märchental“. Zumindest für wenige Wochen im Dezember.

Tipps für den Besuch

Anreise: Da die Anzahl an Parkplätzen begrenzt ist, empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Beispielsweise mit der Bahn von Freiburg nach Himmelreich oder von Donaueschingen nach Hinterzarten oder Titisee. Ab den Bahnhöfen verkehren regelmäßig kostenlose Shuttlebusse zum Weihnachtsmarkt. Ab Titisee fährt der neue Shuttlebus ab dem Kurhaus auf dem Busparkplatz. Außerdem gibt es drei Mal pro Öffnungstag einen VIP-Bus ab dem Freiburger Konzerthaus zum Weihnachtsmarkt.

Unterkunft: z.B. die gemütliche Hotel-Pension Thomé in Hinterzarten, DZ ab 40 €. http://www.hotel-thome.de/

Öffnungszeiten 2022: Freitags (25.11., 2.12., 9.12., 16.12.) von 15-21 Uhr, Samstags (26.11., 3.12., 10.12., 17.12) von 14-21 Uhr, Sonntags (27.11., 4.12., 11.12., 18.12.) von 14-20 Uhr

Weitere Informationen: https://www.hochschwarzwald.de/erleben/veranstaltungen/weihnachtsmarkt-ravennaschlucht

Bericht: Bernadette Olderdissen


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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