© Heidrun Lange

14. Mai 2022

Vulkane, Urwälder, 100 Meter hohe Wasserfälle und lebendige Geschichte

Mauritius Eine Trauminsel im Indischen Ozean

Es gibt Länder, nach denen man sich zurückzusehnen beginnt, noch bevor man von ihnen abgereist ist. Mauritius ist so ein Land. Da sind das türkisblaue Wasser und die Bewohner, die den Besucher in ihren Bann ziehen. Ein multikultureller Bevölkerungsmix lebt friedlich nebeneinander. Wer sich im Südwesten von Mauritius eingemietet hat, wird mit großartigen Sonnenuntergängen belohnt. Touristen und Einheimische treffen sich, um das beeindruckende Panorama zu bewundern. Hinterm Horizont befinden sich Madagaskar und der afrikanische Kontinent.

Fast stündlich ändert der Vulkanfelsen Le Morne Brabant sein Gesicht. Er zieht Wolken an, nebelt sich ein und macht sich unsichtbar. Nach einiger Zeit pustet er sich wieder frei. Sobald Federwolken am blauen Himmel über den Tafelberg ziehen, dümpeln Boote an seinem Fuß. Die Farben des Meeres sind mal blau, grün, dann plötzlich türkis. Doch es geht auch anders. Wolken die rastlos dahinhasten, als würden sie verfolgt, lassen den Berg nur erahnen, der ab und zu grün hervorschimmert. Weht dieser ruppige Wind, dann treiben die Kitesurfer über bis zu sechs Meter hohe Wellen und landen mit einem Salto vor seiner Kulisse. Der ablandige Wind, die starken Strömungen und das Riff machen den Kite-Spot zu einem Revier nur für Könner. Besonders gut kann man das Schauspiel von oben betrachten. Wer den Le Morne Brabant besteigen möchte, braucht gute Kondition, die richtige Ausrüstung und einen einheimischen Guide. Nicht nur die ungewöhnliche Erscheinung des Berges macht ihn zu einem besonderen Ort, hier haben sich entscheidende Ereignisse der mauritischen Geschichte abgespielt.

Kitesurfer genießen das Spiel mit Wind und Wellen vor atemberaubender Kulisse.

Le Morne Brabant: Schicksalsort für die kreolische Bevölkerung

Während der französischen Besetzung flohen Sklaven vor den unmenschlichen Bedingungen, unter denen sie ihr Dasein fristen mussten in die Gegend und versteckten sich in Höhlen, gründeten sogar kleine Siedlungen. Als die Engländer Polizisten schickten, um die Botschaft zu übermitteln, dass die Sklaverei beendet sei, glaubten einige, sie sollten verhaftet werden und stürzten sich in ihrem Irrglauben von den Klippen des Berges in den Tod. Ausgrabungen beweisen, dass tatsächlich Menschen aus Afrika und Madagaskar die Höhlen und Felsspalten bewohnten. Es wurden Sklavenringe und Überreste von ihren Behausungen gefunden. Seither ist Le Morne Brabant für die kreolische Bevölkerung ein Schicksalsort. Um der Opfer zu gedenken ist jedes Jahr am 1. Februar, dem Tag der Sklavenbefreiung, eine Zeremonie mit Kranzniederlegung an der Gedenkstätte am Fuße des Berges. Und 2008 erlangte der mystische Gipfel den Unesco-Welterbe-Status.

Entlang der feinsandigen und sehr schönen Strände und hinter Palmenalleen befinden sich die Hotelanlagen. Kurze Regenschauer lassen die tropischen Pflanzen gut gedeihen. Wer Mauritius bereist, sollte deshalb nicht nur die weißen Strände, die Luxusresorts und das fantastische Meer genießen, sondern bei einer Fahrt übers Land auch die Geschichte der Insel erkunden.

Vicram ist Reiseführer, Hindu, und spricht mehrere Sprachen. Während der Ausflüge spricht er deutsch und englisch, die Zeitungen jedoch liest er auf Französisch, und in der Familie wird alles auf Kreolisch besprochen. Für ihn sei Kreol die Sprache der Emotion: „Damit kann ich Gefühle ausdrücken, wie das auf Englisch oder Französisch nicht geht“, gibt er uns schmunzelnd zu verstehen. Er wohnt mit seiner Familie in der Hauptstadt Port Louis. Vicram möchte, bevor es in die ländliche Region geht, dass man bei seinem Rundgang den multikulturellen Alltag erlebt. Er zeigt versteckte Hinterhöfe und heilige Stätten mitten in der wuseligen Großstadt. In Chinatown steht die Moschee, in die muslimische Familien hineinströmen, neben einer tamilischen Schlosserei und einem chinesischen Keramikladen. Die Mischung ist nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine religiöse. Christen, Hindus, Buddhisten und Moslems leben in Mauritius friedlich nebeneinander.

Ganga Talao – heiliger Ort für Hindus

Hanuman, der hinduistische Gott der Gelehrsamkeit

Ein Netz von Straßen verbindet alle Teile der Insel mit der Hauptstadt Port Louis. Hinter den Dörfern fließen Flüsse und Bäche durch urtümliche Wälder und geschützte Parks. Von Chamarel ist es nicht weit zum nahegelegenen Tempel am heiligen See Ganga Talao, Grand Bassin, genannt. Die 33 Meter hohe Shiva-Statue am Rand der Straße kündigt den für Hindus heiligen Ort an. Die Geschichte sagt, dass ein indischer Arbeiter von einem See träumte und ihn damals im dichten Urwald auch tatsächlich fand. Es wurde eine Straße durch den Dschungel gebaut und man holte Gangeswasser aus Indien, um den heiligen See noch heiliger zu machen. Die ersten Pilger kamen und Tempel wurden gebaut. Nach der mystischen Legende heißt es, dass der Hindu-Gott Shiva einst ein paar Wassertropfen aus dem Ganges über Mauritius verlor und diese daraufhin den See füllten. Pilger aus Mauritius und der ganzen Welt kommen Ende Februar oder Anfang März und zelebrieren die lange Nacht des Shiva. Die Tempelanlage am See dürfen auch nichtgläubige Besucher betreten. Die Hindus in farbenfrohen Gewändern legen täglich Bananen, Kokosnüsse und andere Früchte auf den Altären ab. Sie stehen oder knien vor knallbunten Gottheiten und wünschen sich Gesundheit in der Familie und Glück. Im Haupttempel können Besucher einer Zeremonie beiwohnen und bekommen dann ein rotes Segnungs-Zeichen auf die Stirn gezeichnet.

Ganga Talao, ein heiliger Ort für Hindus

Von Tee, Zuckerrohr und Rum

Im Hinterland leuchtet ein grüner Hügel. Es ist die Teeplantage Bois Chéri. Hier pflücken tägliche emsige Hände die kostbaren Blätter von den Sträuchern, welche zur Erntezeit in der Fabrik verarbeitet werden. Es gibt einen geführten Rundgang durch die Produktionsstätten und im Museum eine Teeprobe. Museumsreif ist auch eine deutsche Verpackungsanlage aus den 1950er Jahren, die noch immer gut funktioniert. Einen Einblick in die Kolonialzeit auf Mauritius gibt das Anwesen Domaine les Pailles. Eine authentische Kulisse für die im Museum dargestellte Geschichte des Zuckers. Immerhin 80 Prozent der Insel sind mit Zuckerrohrplantagen bedeckt.

Teeplantage

Verlockendes Rumtasting

Auf der Plantage ist es wie im 18. Jahrhundert. Die Zuckermühle wird von einem Ochsen angetrieben, und in einer rekonstruierten Rumdestillerie zeigt das Personal in historischen Kostümen den Besuchern die einzelnen Produktionsschritte vom Zuckerrohr zum Zucker und Rum. Eine weitere Rarität, die die Franzosen 1827 nach Mauritius brachten, wächst in einem Gewächshaus gleich nebenan. Vanille. Die langen, grünen Bohnen an den Pflanzen verwandeln sich während des Reifeprozesses in aromatisch duftende und dunkelbraune Schoten. Im ehemaligen Kolonialhaus, einem Restaurant, wird die Vanille in vielen Speisen verwendet. Doch das Nationalgericht ist Curry, mal mit Hühnchen, Lamm oder Gemüse. Aufwändig und wertvoll ist der Palmherzen Salat. Von den Plantagen aus der Umgebung kommen die schmackhaften Palmherzen. Die Gastronomen nennen ihn „Millionärssalat“, weil für ihn ein ganzer Baum gefällt werden muss, um an das „Herz“ zu kommen. Eines davon ergibt drei Portionen Palmherzen Salat.

Die Rumdestillerie von Chamarel lädt zum Tasting ein.

Südlich von Chamarel geht es an Ananas, Mangos, Maracujas und Kaffeesträuchern vorbei zu den Chamarel-Wasserfällen, die hundert Meter in die Tiefe stürzen. Von der Aussichtsplattform neben dem Parkplatz bieten sich herrliche Blicke auf die wüstenähnliche Landschaft. Riesenschildkröten im Gehege dösen in der Sonne. In der Ferne setzt ein weißer Tropikvogel zum Sturzflug auf Jagd nach Schnecken an.

Die Chamarel-Wasserfällestürzen 100 Meter in die Tiefe.

Ein mauritanisches Naturwunder ist das Tal der „Siebenfarbigen Erde.“ Ein weltweit einzigartiges geologisches Phänomen, bei dem durch vulkanische Aktivität sieben verschiedene Erden miteinander vermischt wurden. In den Farben gelb, rot, violett oder grün, schimmert die hügelige Oberfläche. Am besten entfalten sich die Farben im späten Nachmittagslicht, kurz bevor die Sonne untergeht. Vicram erklärt das Phänomen ganz einfach: „Durch das warme und feuchte Klima wird Basaltlava in Schiefer umgewandelt. Übrig bleiben nur Eisen- und Aluminiumoxide.

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen wie paradiesisch die Insel in vergangener Zeit war. Damals, als die ersten Europäer auf die Insel kamen und ihnen nur riesige Schildkröten begegneten.

Informationen für Ihre Reise

Anreise:
Air Mauritius fliegt in Kooperation mit Air France die Insel an, auch Emirates, British Airways, Condor, Austrian Airways und weitere internationale Carrier haben Flugangebote.

Einreise und Visum:
Für die Einreise nach Mauritius ist ein elektronisch lesbarer regulärer Reisepass notwendig, der bei Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Kinder benötigen einen eigenen Reisepass. Reisende aus Deutschland benötigen für einen touristischen Aufenthalt kein Visum.

Unterwegs:
Mit einem Mietwagen kann man selbstständig die ganze Insel bereisen, sollte aber darauf achten, dass auf der Insel links gefahren wird. Außerdem sind mit Ausnahme der großen Hauptadern nicht alle Straßen leicht befahrbar. Es gibt Taxis, auch mit Taxameter. Busse fahren fast überall auf Mauritius. Sie sind sehr günstig, aber nicht unbedingt komfortabel.

Geld und Währung:
Auf Mauritius wird mit der Mauritius-Rupie (MUR) gezahlt. Etwa 20 MUR entsprechen 1 Euro. In Banken, größeren Hotels und am Flughafen kann das Geld pro­blemlos gewechselt werden. Die Bezahlung mit Kreditkarte ist vielerorts möglich.

Sprache:
Die offizielle Landessprache ist Englisch. Dennoch herrscht Französisch im öffentlichen Leben vor. Die inoffizielle Sprache der Insel ist allerdings Kreol. Sie wird von allen Inselbewohnern im Alltag verwendet.

Beste Reisezeit:
Auf Mauritius gibt es weder den klassischen Sommer noch Winter. In den Monaten Mai bis Oktober ist es auf Mauritius für Europäer sehr angenehm. Die Temperaturen liegen zwischen 25 und 29 Grad Celsius, der Südpassat sorgt für eine angenehme Brise und die Anzahl der Regentage ist minimal. Auch die Wassertemperatur ist mit durchschnittlich 26 Grad Celsius optimal für entspannte Strandtage. Abends kann es ein bisschen kühler werden. Eine leichte Jacke zum Darüberziehen reicht aus.

Offizielle Website der Mauritius Tourism Promotion Authority MTPA:
www.tourism-mauritius.mu
Infos zu aktuellen „Corona“-Regelungen: mauritiusnow.com

Bericht: Heidrun Lange


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
Neueste Artikel
Europäische Kulturhauptstadt Esch an der Alzette, Luxemburg

Von der Industrie- zur Wissensstadt

Der Wandel von der Kohle- und Stahlregion zur „polyzentrischen Kulturmetropole neuen Typs“ – das war der Leitgedanke, mit dem begründet wurde, warum ausgerechnet Essen und das Ruhrgebiet ...

Weser-Radweg

Der Weser-Radweg gehört zu den schönsten und beliebtesten Flussradwegen Deutschlands. Ausgehend von Hann. Münden, wo sich die Quellflüsse Werra und Fulda zur Weser vereinen, führt die ...

Zwischen Cottbus und Bautzen

Die Lausitzer Kathedralen der Arbeit

Im Land der Braunkohle wächst Europas größte von Menschenhand geschaffene Seenlandschaft. Die ehemaligen Tagebaugruben der Lausitz werden mit Wasser geflutet. Geplant sind über 20 Seen, ...