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11. Januar 2023

Fernab des Ski-Rummels in den Bergen

Mit Schneeschuhen zu den Steinböcken

Schnee, so viel Schnee, und ein dunkelblauer Winterhimmel. Es ist eine Alpen-Winterlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Nur das Plätschern des Fleißtaler Baches ist zu hören. Mit Schneeschuhen unter den Füßen geht es hinein in die unberührte Natur der Hohen Tauern.

Einer der schönsten Orte für Entdeckungen abseits ausgetretener Pfade ist das Fleißtal, hoch gelegen über dem Bergsteigerdorf Heiligenblut und bewacht vom mächtigen Gipfel des Großglockners. Wo kann man Wildtiere schöner beobachten, als im Nationalpark Hohe Tauern inmitten mächtiger Dreitausender und tief verschneiten Landschaften? Der Nationalpark-Ranger Georg Granig blickt durch seinen Feldstecher. An der Felswand sind sie zu sehen: Die Steinböcke in freier Wildbahn.

Unterwegs mit dem Nationalpark-Ranger

© Heidrun Lange

Ranger Georg Granig

An der Mittelstation der Grossglockner-Bergbahnen gibt es Schneeschuhe zu leihen. Granig zeigt, wie man die ovalen Bretter mit Riemen, Schnallen und Stahlzacken am Schuh befestigt, und erklärt den richtigen Bewegungsablauf: „Schuh immer nach oben anheben und nicht abrollen.“ Von der Tunnelbahn, geht es ins Fleißtal, wo die Wanderung zu den Bergen des Gebirgsmassivs Goldberggruppe startet. Das Gehen mit Schneeschuhen ist anfangs gewöhnungsbedürftig, doch bald stapft die Gruppe im Gänsemarsch durch den Schnee. Nur leises Knirschen ist zu hören, wenn der Schnee unter den Tritten nachgibt. „Jeder kann Schneeschuhwandern“, ist der Ranger überzeugt. Er führt seit 1993 Urlauber auf leichten, aber auch auf anspruchsvollen Touren abseits von Pisten und gespurten Loipen durch die Landschaft. „Mit etwas Glück werden wir das scheue Steinwild, aber vielleicht auch Bartgeier oder Steinadler sehen“, verspricht Granig. Allerdings ist ungewiss, wie viele Tiere man bei einer Schneeschuhtour zu Gesicht bekommt.

Der Nationalpark Hohe Tauern verteilt sich mit seiner 185.000 Hektar großen Fläche auf die Bundesländer Kärnten, Tirol und Salzburg und ist das größte Schutzgebiet der Alpen mit einer riesigen Artenvielfalt. Der Ranger macht den ersten Stopp in einem Lärchenwald. Gekrümmt ragen die Bäume in die Höhe. Es sind die einzigen Nadelbäume, die über den Winter die Nadeln abwerfen, ihre Wurzeln reichen tief in die Erde. Das macht sie gegen Wind und Schnee resistenter als Fichten, die typische Flachwurzler sind. Die Bartgeier lieben diese offene Landschaft mit einzeln stehenden Bäumen. Mit viel Glück kann man frühmorgens oder abends in der Dämmerung einen dieser seltenen Vögel fliegen sehen. Weiter geht es in einen Kiefernwald. Es scheint auf den ersten Blick, dass die Wege noch niemand betreten hat. Doch der Schein trügt. Winzige Spuren verraten es. Doch wer war es, Reh oder Hase? Für den Ranger ist sofort klar, es sind die Spuren eines Hasen. „Dieser stapft zuerst mit den dünnen Vorderpfoten auf und überholt sie mit seinen dicken Hinterpfoten.“

Auf den Spuren von Gams und Steinbock

Oberhalb eines Bachbettes, in den Hängen, müssten Gämsen zu sehen sein, denn die weite Bergwelt ist ihr Zuhause. Und da ist sie: Eine frische Gamsspur. „Hier hat sich eine auf der Suche nach Nahrung durch den Schnee gearbeitet“, erklärt Granig und führt die Gruppe näher an die Felswände heran. Eine Geiß steht auf einem Felsvorsprung und schaut skeptisch die steile Felswand hinab, schließlich will sie nicht den Anschluss an die Herde verpassen.

© Peter Maier

Der Alpensteinbock

Seit einer Stunde stapfen wir durch den Schnee, haben schon viel über Tierspuren und das Leben der Alpenbewohner gehört, aber noch keinen Steinbock gesehen. Der Ranger sucht mit dem Fernglas die felsige Region ab. „Da hinten, da könnten welche sein“, zeigt er auf die Felswand. Mit bloßem Auge sieht man nur dunkle Punkte. Im Gänsemarsch überschreiten wir die Baumgrenze. Auf einer kleinen Anhöhe baut Granig sein Spektiv auf. Er hat einen kleinen Steinwildtrupp im Visier. „Die Geiß und ihre Kitze haben es sich auf einem Grat gemütlich gemacht und scheinen unsere Aufmerksamkeit nicht zu spüren.“ Es geht jetzt noch höher, so das wir noch näher an die Tiere herankommen. Ohne Spektiv weiß der Ranger bereits, dass er die richtige Stelle gefunden hat. „Der prächtige Steinbock ist auf dem Weg zur Geiß und den Kleinen. Der Bock wiegt bestimmt über 90 kg und hat mächtige, nach hinten gebogene Hörner, fast einen Meter lang. Die Geißen sind kleiner und deren Hörner sind kurz und kaum gebogen“, erklärt er. Endlich sehen auch wir die wilden Tiere durch das Fernglas.

Wie die sich an der Felswand festhalten? Steinböcke finden in steilsten Felswänden noch Halt. Sie haben Hufe mit gummiartigen weichen Ballen und harten Rändern. Granig nennt sie Kletterschuhe. Außerdem kann der Steinbock seine beiden Zehen unabhängig voneinander bewegen und sich so jeder kleinsten Unebenheit perfekt anpassen. Einer nach dem anderen schauen wir durch das Spektiv. So friedlich wie sie da als Familie leben, das war nicht immer so. Einst waren die Steinböcke in den Hohen Tauern ausgerottet. Im 17. Jahrhundert jagten Wilderer diese Tiere, wegen der Organe, die einst als Wundermedizin galten. Erst in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts siedelte man wieder erste Exemplare in der Region an. Jetzt leben Im Nationalpark Hohe Tauern rund 1.100 Steinböcke in zusammenhängenden Kolonien.

Im „Haus der Steinböcke“, im Bergdorf Heiligenblut erfahren Besucher in einer interaktiven Ausstellung viel über den Lebensraum des Königs der Alpen und der anderen Bewohner. So weiß man von einem Bock, der im Nationalpark Hohe Tauern mit einem Sender ausgestattet wurde, dass dessen „Aktionsradius“ stolze 140 Quadratkilometer groß ist.

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Beim Schneeschuhwandern Wildtiere beobachten

Informationen
Die Schneeschuhwanderung zu den Steinböcken findet jeden Dienstag von Mitte Dezember bis Anfang April statt. Die mittelschwere Schneeschuhwanderung dauert ca. 4 Stunden und ist auch für Kinder ab 10 Jahren geeignet. Mitbringen sollte man festes Schuhwerk und warme, wetterfeste Kleidung. Außerdem wird ein Rucksack mit warmen Getränken und einer Jause empfohlen. Hunde sind an der Leine erlaubt.

Startpunkt der Schneeschuhwanderung: Im Ortszentrum von Heiligenblut mit der Schareckbahn bis zur Mittelstation oder mit dem Auto auf der Glocknerstraße bis zur Mittelstation. Der Treffpunkt ist die Einstiegstelle der Tunnelbahn. Anreise mit öffentlichem Verkehrsmittel (Bus) bis Ortszentrum Heiligenblut möglich.

Vorbereitung: Für das Wandern mit Schneeschuhen sind – mit Führer – keinerlei Vorkenntnisse nötig, dann ist es sogar kindertauglich (ab 10 Jahren). Schneeschuhe können geliehen werden, mitzubringen ist festes Schuhwerk. Montags kann man sich bei einem Multimediavortrag auf die kommenden Erlebnistage im Nationalpark Hohe Tauern einstimmen (20.00 Uhr im Dorfsaal Heiligenblut). Allerdings werden Schneeschuhwanderungen ohne Ranger oder Bergführer nicht empfohlen, da zum einen die Schutzgebiete für das Wild zu beachten sind, zum anderen die Lawinengefahr nicht unterschätzt werden darf.

Kleidung und Schuhe: Funktionsshirt und Midlayer, eine warme, aber atmungsaktive Jacke und eine Skitourenhose. Dazu Mütze, Handschuhe, Halstuch, bei Bedarf eine Sonnenbrille. Sonnencreme nicht vergessen, der Schnee reflektiert stark, die Sonnenbrandgefahr ist hoch. Man nutzt die eigenen Schuhe, um mit den Schneeschuhen zu gehen. Die Guides empfehlen mindestens knöchelhohe, gut eingelaufene, möglichst wasserabweisende Wanderschuhe. Keine niedrigen, leichten Schuhe, da der Schnee von oben in den Schaft eindringen kann.

Sicherheit: Wer abseits der Pisten unterwegs ist, muss das Gelände und die Lawinengefahr einschätzen können und sollte ein LVS-Gerät tragen und damit umgehen können. Unerfahrene schließen sich zur eigenen Sicherheit einem Bergführer an. Auskunft: Tourismusverband Heiligenblut am Großglockner, Hof 38, A-9844 Heiligenblut am Großglockner. www.heiligenblut.at

Haus der Steinböcke in Heiligenblut, täglich von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet: www.hausdersteinboecke.at

Diese Reise wurde von der Tourismuswerbung Österreich unterstützt.

Bericht: Heidrun Lange


Zitierhinweis: erschienen in dieser Ausgabe
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