15. April 2021

Warum ich Allgemeinärztin bin

„Vom Neugeborenen bis zum Palliativpatienten“

Mein ursprünglicher Berufswunsch war Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, ich habe dann ein Medizinstudium begonnen und wollte Pädiaterin werden, musste aber feststellen, dass man in dem Fach als Frau schlechte Chancen hat – wahrscheinlich, weil man Frauen, die in die Pädiatrie wollen, einen eigenen Kinderwunsch unterstellt und das als unvereinbar mit einer Karriere in Krankenhaus und Forschung sieht.

Zur Allgemeinmedizin bin ich gekommen, weil ich festgestellt habe, dass mir nicht nur die Arbeit mit Kindern Freude bereitet, sondern mit Menschen jeden Alters. Heute betreue ich Patienten vom neugeborenen Baby bis hin zum Palliativpatienten. Es war auch die Aussicht auf die fachliche Breite, die mich an der Allgemeinmedizin gereizt hat. Ich bin auch „handwerklich“ ambitioniert und mag z.B. die kleine Chirurgie.

Einer jungen Kollegin, die heute überlegt, in die Allgemeinmedizin zu gehen, würde ich raten, darauf zu schauen, dass der Beruf und die Art, ihn auszuüben, mit dem Anspruch an die Lebensqualität für sich und die Familie vereinbar sind. Ich bin sehr zufrieden in meiner Einzelpraxis. Aber viele meiner Famulantinnen sagen, so können sie sich nicht vorstellen zu arbeiten. Die Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind für Frauen aus meiner Sicht hierzulande noch immer nicht gegeben.

Gerade einer jungen Allgemeinärztin empfehle ich daher, eher in einer Gemeinschaft zu arbeiten. Praxisverbände, Gemeinschaftspraxen und ähnliche Modelle sind für mich ein idealer Weg, den Beruf in Zukunft auszuüben. Wir Frauen sollten ohnedies besser darin werden, Netzwerke zu bilden und uns gegenseitig zu unterstützen.

Jutta Schabl
Fachärztin für Allgemeinmedizin,
Regensburg

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